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Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
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 up 2 Geomorphologie, oder: Das Relief Lateinamerikas
 up 2.2 Regionale (Struktur-)Geomorphologie
 up 2.2.2 Formenschatz des Hochgebirges
 up 2.2.2.1 Vollformen

2.2.2.1.2 Vulkane und vulkanogene Formen

Die Anden und die mittelamerikanischen Kordillere sind als Teil des zirkumpazifischen Gebirgssystems ein Raum stärkster seismischer und vulkanischer Aktivität.

Die Vulkanologen unterscheiden zwischen Schicht- und Schildvulkanen. Diese Typologie geht auf Unterschiede in der Genese, der Zusammensetzung des Magmas und des Ausbruchsgeschehens zurück. All dies hat aber auch unterschiedlichen Formen zur Folge, so dass die eigentlich genetische Klassenbildung auch eine geomorphologische Komponente hat. Die aus sauren Magmen aufgebauten Schildvulkane sind viel flacher als die oft ebenmäßig, aber steil aufragenden Strato- oder Schichtvulkane, die aus basischem Material in Wechsellagerung von Lava und Asche aufgebaut werden und deren Kegelform sich durch die Materialsortierung beim Ausbruch erklärt. In den Kordilleren Lateinamerikas sind in erster Linie Stratovulkane verbreitet. Sie bilden die ebenso typischen und zugleich imposanten höchsten Erhebungen in vielen Teilen der gesamten Anden und Kordilleren.

In Mittelamerika sind besonders die Gebiete südlich des mexikanischen Hochlandes, also die Cordillera Volcánica Transversal (herausragend: Pico de Orizaba, 5653 m; Popocatepetl, 5452 m) und beinahe die gesamte mittelamerikanische Landbrücke durch Vulkane geprägt. Von den etwa 88 Vulkanen waren 44 noch bis in jüngste Zeit aktiv. Vulkanische Landschaften sind hier von ausgesprochener Schönheit. Lavaströme dämmen Seen ab, kleinere Kraterseen bilden sich auf erloschenen Vulkanen. Während die Großen Antillen frei von vulkanischer Tätigkeit sind, sind die Kleinen Antillen bis auf wenige Ausnahmen zum Großteil vulkanogener Entstehung.

Die nördlichsten Andenketten Kolumbiens und Venezuelas sind völlig frei von jungen Vulkaniten. Erst bei 6° nördl. Breite setzt in der Zentralkordillere Kolumbiens mit dem Nevado del Ruíz eine Reihe herausragender Stratovulkane ein. Diese Zone reicht bis etwa 2° südl. Breite in Ecuador. Im Vergleich zu den anderen ist dieser Bereich noch schlecht erforscht, erst seit der Katastrophe von 1985 bemüht man sich intensiver um die genauere Untersuchung der Vulkane. Die herausragendsten Vulkangipfel in Kolumbien neben dem Nevado de Ruiz sind:

Nevado Tolima 5215 m
Nevado de Huila 5752 m
Puracé 4756 m
Galeras 4264 m

In Ecuador sitzen die Vulkane auf den Flanken der Ostkordillere und in der tektonischen Depression von Quito (die mit * gekennzeichneten Vulkane waren in historischer Zeit aktiv):

Chimborazo 6310 m
*Cotopaxi 5897 m
Cayambe 5790 m
*Antizana 5705 m
El Altar 5320 m
*Sangay 5230 m
*Tungurahua 5016 m
*Pichincha 4787 m

...um nur einige zu nennen.

Vulkan Chimborazo, Ecuador

Riesige pyroklastische Massen füllen ganze Täler aus, viele tausend Meter mächtige Serien wurden gefördert, Bimssteine (aus gasreicher Lava entstandenes vulkanisches Glas) und Lahare vermischen sich mit Ablagerungen der pleistozänen Vergletscherung.

In den Zentralen Anden sind besonders zwischen 15° und 27° südl. Breite im Grenzbereich Südperu/Bolivien/Chile/NW-Argentinien Vulkane auf den Hochplateaus aufgebaut. Die Morphologie beherrschen vor allem rhyolithische Ignimbrite, die in Form von Decken bis zu 1000 m Mächtigkeit in der Hoch- und Westkordillere und auf dem westlichen Altiplanos abgelagert wurden. Etwa 200.000 km² werden von diesen Glutwolkenabsätzen bedeckt. Über diesen vulkanischen Decken erheben sich Hunderte Stratovulkane, die Höhen von 5000 bis knapp 7000 m einnehmen. Einen Weltrekord bietet diese Landschaft: die größte Konzentration an Landvulkanen. Die aus andesitischem Material zusammengesetzten Vulkane dürften jünger sein (vor 1-4 Mill. Jahren) als die Ignimbrit-Decken (25 Mill. Jahre).

Noch einen Weltrekord hat dieser Raum zu bieten: vom tiefsten Bereich des Peru-Chile-Grabens im Pazifik bis zu den Fast-Siebentausendern der Anden sind es nur 300 km, bei einem vertikalen Höhenunterschied von fast 14 km!

Zudem findet man die höchsten Landvulkane der Erde – ein weiterer Weltrekord:

Ojos de Salado (Arg) 6870 m
Llullaillaco (Arg/Chi) 6723 m
Coropuna (Peru) 6426 m
Uturunco (Bol) 6010 m

Die gegenwärtige Tätigkeit der Vulkane ist jedoch gering. An nur wenigen Vulkanen sind Tätigkeiten zu beobachten (Ubinas, 6572 m; Lascar, 5670 m; Licancabur, 5921 m). Hingegen sind postvulkanische Erscheinungen, wie Solfatare, Geysire und Fumarolen weit verbreitet. Große Lagerstätten von Schwefel können in Bolivien und Chile abgebaut werden.

Setzt der Vulkanismus zwischen 27° und 33° auf der chilenisch-argentinischen Hochkordillere aus, beginnen auf der Höhe Mendoza/Santiago wieder vulkanische Aktivitäten, die eine deutliche Konzentration zwischen 33° und 44° aufweisen. Isoliert kommen einzelne Vulkankegel bis weit in den Süden vor. Von N nach S seien einige Vulkanbauten genannt (*rezent noch aktiv):

Tupungato 6550 m
*Tupungatito 5913 m
*Descabezado 3830 m
Lanín 3776 m
Tronador 3554 m

Am Riñihue bei 40° s.Br. entstand erst 1955 nach einem gewaltigen Explosivausbruch ein Maar.

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