Logo
Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
Home
Sitemap
Vorherige
Nächste
 up 2 Geomorphologie, oder: Das Relief Lateinamerikas
 up 2.2 Regionale (Struktur-)Geomorphologie
 up 2.2.2 Formenschatz des Hochgebirges
 up 2.2.2.1 Vollformen

2.2.2.1.1 Gebirgsketten

Die Anden mit ihrer nördlichen Fortsetzung in der Kordillere Mittelamerikas sind das längste Gebirge der Erde. Auf dem südamerikanischen Kontinent reicht der ununterbrochene Gebirgszug von der Südspitze Feuerlands bis zur 9000 km entfernten Nordostecke von Trinidad vor der Küste Venezuelas. Aktive Erdbebenzonen und junge bis heute tätige Vulkane machen die Anden zum Prototyp eines kontinentalen, jungen Randgebirges. Die Orogenese begann im Tertiär, doch erst im Pleistozän erfolgte die Heraushebung der Anden bis hin zur Mächtigkeit eines Hochgebirges.

Südliche Puna Argetiniens

Der innere Bau der Anden unterliegt keiner einheitlichen Struktur. Bauelemente verschiedenen Alters sind schon für die Geologie der Gebirges charakteristisch, unter strukturgeomorphologischen Gesichtspunkten resultiert daraus auch ein unterschiedlicher Formenschaft. So ist etwa die Ostkordillere der Nordanden durch ältere Sedimente charakterisiert, die nicht nur Karstformen hervorbringen, sondern auch halokinetische (das sind Formungsvorgänge infolge der Plastizität von Salz) Formen. Dagegen herrschen in der jüngeren Zentral- und Ostkordillere jüngere – vulkanische – Formen vor.

Die morphologische Formung ist in den Einzelabschnitten unterschiedlich und hängt mit den klimatischen Gegebenheiten zusammen. Die physikalischeVerwitterung der Gesteine dominiert in den ariden Gebieten und in großen Höhen infolge des hohen Temperaturunterschiedes zumindest zwischen Tag und Nacht (in den Tropen) und zwischen Winter und Sommer (in den Ektropen) sowie von Frostvorgängen In niederen Gebirgsstockwerken tritt die chemische Verwitterung hinzu, an der ariden Küste (Tafonisierungen) und in den humiden und semihumiden Tropen ist sie sogar die dominante Verwitterungsform. Massenbewegungen in Form von Bergstürzen, Felsstürzen, Ausbildung von Schuttkegeln und Schotterfächern am Unterhang charakterisieren weite Teile der Gebirge, freilich auch hier wieder in unterschiedlicher Form, je nachdem, in welcher Klimazone der spontane Massenversatz stattfindet. In den trockenen Gebieten der Puna und des Altiplanos ersticken die Gebirge förmlich in ihrem eigenen Schutt. In semihumiden Regionen transportieren Schichtfluten diesen Schutt dagegen sofort ab, in vollhumid-warmen Bereichen dagegen findet aktive Flächenbildung statt.

Fluviale Morphodynamik, sei es durch Erosion (Talbildung) oder Akkumulation (Terrassen- Fußflächenbildung) spielt eine Hauptrolle in der Landformung. Am deutlichsten wird dies in den feucht-tropischen Bereichen am östlichen Andenrand zum Amazonas und an der feuchte Westseite Kolumbiens. Hier findet man tief eingeschnittene Täler mit übersteilten Hängen. Jedem, der einmal von La Paz aus in die Yungas gefahren ist, wird unvergesslich bleiben, wie die Straßen in den Fels gesprengt wurde und die talwärtige Sicht teilweise durch Wasserfälle versperrt wird, während Bus oder LKW in einem talseitig offenen Halbtunnel fahren. Die Auswirkungen glazialer Tätigkeiten prägen vor allem die höchsten Stockwerke der Anden. Sie werden nach Süden immer intensiver und erreichen ihr Maximum in den Patagonischen Anden - hier thronen heute noch mächtige und äußerst beeindruckende Eisschilde.

Hilfe Seitenanfang
Home Sitemap Suche Bilder Vorherige Nächste

Letzte Aktualisierung dieser Seite:
Öffne externe Links in neuem Fenster?

© Copyright "Lateinamerika-Studien Online"