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Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
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 up 2 Geomorphologie, oder: Das Relief Lateinamerikas
 up 2.3 Regionale (Klima-)Geomorphologie

2.3.1 Grundlagen der Klimageomorphologie nach Büdel

Im Gegensatz zu der Überzeugung der Strukturgeomorphologie, dass die Reliefformung primär durch endogene Prozesse gesteuert wird, geht die Skulpturmorphologie davon aus, dass exogene Faktoren einen großen Einfluss auf die Oberflächenformen haben. Innerhalb dieser Schule sind aber auch wieder Richtungen entstanden, etwa die der Morphodynamik, und schließlich entstand in der unmittelbaren Nachkriegszeit unter maßgeblichem Einfluss von Büdel (1950) und Wilhelmy (1955) die Klimageomorphologie.

Sie geht davon aus, dass das Klima (Klimavarianz) neben dem Gestein (Petrovarianz), dem Boden (Pedovarianz) und der Vegetation (Phytovarianz) den stärksten Einfluss auf die Reliefformung hat. Nach den heutigen Klimaregionen der Erde sind daher klimamorphologischen Zonen zu unterscheiden, in denen bei unterschiedlichen Klimabedingungen auch je spezifische Formungsprozesse ablaufen. Die Klimageomorphologie konzidiert aber, dass im Laufe der Erdgeschichte sich die klimatischen Bedingungen immer wieder entscheidend verändert haben. Sie unterschiedet daher verschiedene Reliefgenerationen und spricht von Vorzeit- und Jetztzeitformen. Oft verschneiden sich die in früheren Klimaten gebildeten Formen mit jenen, die heute heranreifen.

Büdel hat 1950 die erste klimamorphologische Zonierung der Erde gewagt. Er unterscheidet acht Teilräume, die im Überblick wie folgt gekennzeichnet werden:

  • die Gletscherzone mit gletschernahen Vorfeldern , in der ein subglaziales Relief durch die Wirkung der Gletscher, des Frostes und der unter dem Eis abfließenden Schelzwasser geformt wird. Diese Zone ist in Lateinamerika vor allem um die Eisfelder der Hochgebirge zu finden. Man findet alle typischen Formen die zu einer glazialen Serie zählen.
  • Die subpolare Zone exzessiver Talbildung im Permafrostbereich bei vorherrschender physikalischer Verwitterung. Geprägt durch Zertalung und kräftigen Materialtransport während der Tauperiode. In Lateinamerika ist diese Zone als Höhenstufe ausgeprägt und liegt unterhalb der gletscherbedeckten Gebiete. Die Landschaft wirkt durch die Glättung des Bodenfließen weich und gar nicht wie ein Hochgebirge, abgesehen von den allerhöchsten Bereichen und hartem Felsgestein.
  • Die ektropische Zone retardierter Talbildung wirkt die Landabtragung bei nur mäßiger physikalischer und chemischer Verwitterung nicht besonders stark, vor allem wegen der unter natürlichen Bedingungen vorhandenen Vegetationsecke. Die Abtragung folgt vorwiegend durch Flusstransport, in geringem Umfang durch Hangbewegungen. Dieser Bereich ist in Lateinamerika nicht weit verbreitet, eigentlich nur in Mitte- und Südchile.
  • In der subtropischen Zone gemischter Reliefbildung überlagern sich räumlich wie zeitlich nördliche und südliche Einflüsse.
  • In der winterkalten Zone mit Flächenüberprägung sind das kennzeichnende Bild in Schutt ertrinkende Gebirge. Es überwiegt die physikalische Verwitterung. Dadurch fallen erhebliche Schuttmengen an, die durch zeitweilig fließende Gewässer auf geneigten Ebenen ausgebreitet werden. Es bildet sich das System der Gebirgsfußflächen.
  • Die warme Trockenzone der Flächenerhaltung und –weiterbildung stellt die Zone der Passatwüsten dar, bei vorherrschender physikalischer Verwitterung. Ältere Flächen bleiben weitgehend erhalten. Äolische Tätigkeiten sind in der Oberflächengestaltung bedeutend. Chemische Prozesse stehen auf Ebenen und auf Talsohlen sogar im Vordergrund (Salzverwitterung), insgesamt sind aber Produkte der physikalischen Verwitterung allgegenwärtig, da das Material durch den fehlenden Niederschlag kaum abgeführt werden kann.
  • Die randtropische Zone exzessiver Flächenbildung ist geprägt durch chemische Verwitterung. Bei flächenhaften Abtragung durch periodisch abfließende Gewässer kommt es langfristig zur Ausbildung von Rumpfflächen.
  • In der innertropischen Zone partieller Flächenbildung herrscht chemische Verwitterung vor. Starke Durchfeuchtung erschwert eine Flächenbildung infolge der dichten Vegetation. Das dichte Blätterdach fängt den Regen ab, die morphologische Wirkung ist entschärft. Rutschungen und Erdfließen gewinnen durch die hohe Durchfeuchtung des Bodens schon bei geringer Hangneigung an Bedeutung.
Auch andere Wissenschaftler nahmen zonale Gliederungen der Erdoberfläche nach typischen rezenten Prozesskombinationen vor (Wilhelmy, Hagedorn & Poser).
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