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Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
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 up 2 Geomorphologie, oder: Das Relief Lateinamerikas
 up 2.2 Regionale (Struktur-)Geomorphologie

2.2.4 Formen der alten Schilde, der Trappdecken und Mittelgebirge

Der Osten Südamerikas wird von den ältesten Gliedern der Erdkruste aufgebaut, die schon in vorkambrischer Zeit gebildet wurden. Wichtigstes Element ist die Brasilianische Masse, die das Hochland von Guayana und das Brasilianische Bergland aufbaut. Die Patagonische Masse liegt zum Großteil im Schelfmeer vor der argentinischen Küste versenkt und bildet die Basis der Patagonischen Tafelländer. Es herrschen metamorphe Gesteine (Glimmerschiefer, Quarzite und Gneise vor. Gesteine und Tektonik weisen auf einen Zusammenhang mit Afrika, Vorderindien und der Ostantarktis auf, die einst den Kontinent Gondwana bildeten. An den Rändern der alten Massen haben sich während verschiedener Gebirgsbildungsphasen Falten- und Bruchstrukturen gebildet. Auf jüngere Krustenbewegungen reagierte das alte Gestein starr und mit zahlreichen Brüchen. Die Zerrüttung der Erdkruste führte zur Förderung vulkanischen Materials, das den Gesteinssockel durchbrach und in Südbrasilien, Uruguay und Nordargentiniens während der Trias eine 800.000 km² große Basalttafel aufbaute und uns die bizarren Felsstöcke an der Brasilianischen Küsten bescherte. Als Trappdecken werden flächenhaft ausgebildete Ergussgesteinsschichten bezeichnet, die in z.T.treppenartig angeordneten Decken von mehreren hundert Metern Mächtigkeit übereinander lagern.

Grafik: Iguazu-Wasserfälle

Seit dem Ende des Mesozoikums bildete das Brasilianische Bergland und das Bergland von Guayana die Randschwelle zum Atlantischen Ozean. Das aus jungen Sedimenten aufgebaute Küstenland (Litoral) steigt bald an mehreren Bruchstufen schroff zum Bergland auf. Der Scheitel der Schwelle liegt nahe der Küste. Nach Westen entstand eine lange Binnenabdachung, der die Gewässer folgen und auf denen die jüngeren Sedimentschichten als Schichtstufenländer oder Tafelländer erhalten haben. Dem unruhigen Relief der Küste steht somit ein recht eintöniges Bild der Hochflächen gegenüber.

Schichtstufenlandschaften sind hier ein weitverbreiteter morphologischer Formentyp. Die Schichtpakete sind aus verschieden widerständigen Gesteinen aufgebaut und werden infolge Denudation in unterschiedlicher Weise abgetragen. Widerständigere Gesteine werden weniger rasch abgetragen und fungieren als Stufenbildner, morphologisch weiche Gesteine bilden die flacheren Teile der Stufen. Bei kräftiger Zerschneidung ragen die Stufen markant aus der Landschaft heraus. Humide Klimabereiche fördern die Ausbildung und Zurückverlegung der Stufen, trockene Klimate verlangsamen die Prozesse und wirken daher Formenerhaltend.

Von Tafelländern spricht man bei horizontaler Lagerung der Gesteine, wie es in Ostpatagonien der Fall ist. In der Jura entwickelte sich durch heftige Vulkantätigkeit eine dicke Lavadecke, die sogenannte Seria Porfirica, auf die später marine Sande abgelagert wurden. Als Tafelberge, die hier „Mesas“ genannt werden, bezeichnet man durch Zerschneidung von Tafellandschaften entstandene Restberge. Auch in Guayana findet man Tafelberge, die dort als Tepuis bezeichnet werden. Sie ragen 1500 bis knapp 3000 m aus dem Regenwald heraus und sind Reste des Guayana-Schildes. Hier findet durch das tropische Klima mit den starken Regenfällen an den Steilkanten intensive morphologische Aktivität. Im Westen lagern Sandsteintafel die den höchsten Teile des Schildes einnehmen (Roraima, 2772 m). Zum Orinocotal bricht das Tafelland nach dem Gipfel des 2395 m hohen Cerro Duida jäh ab.

Rio Canaima und Tepui

Zentralpatagonisches Tafel- und Grasland

 down 2.2.4.1 Katarakte und Wasserfälle
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