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Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
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 up 2 Geomorphologie, oder: Das Relief Lateinamerikas
 up 2.2 Regionale (Struktur-)Geomorphologie

2.2.2 Formenschatz des Hochgebirges

Wüstenpuna in NW-Argentinien

Dass im tropischen Teil der Anden selbst auf Höhen über 4000 m das Relief nicht als hochalpin empfunden wird, hat klimatische Ursachen. Nur wo, wie in den Südanden und sonst nur in den allerhöchsten Gipfelregionen der Kordilleren, niedrige Durchschnittstemperaturen, häufiger Frostwechsel sowie Schnee und Eis herrschen, können sich die Formen so zuschärfen, dass der uns gewohnte Eindruck eines (alpinotypen) Hochgebirges entsteht. Vielfach sind daher die Kordilleren zwischen den Wendekreisen als ein "ins Gigantische gesteigertes Mittelgebirge" bezeichnet worden.

Die Gebirge geben der zweidimensionalen Zonierung der Geosphäre eine dritte Dimension. Das bedeutet, dass der Formen-, Klima- und Vegetationswandel sich nicht nur nach der quasizonalen Anordnung des Tieflandes richtet, sondern sich zusätzlich mit der Höhe ändert. Neben der polar-äquatorialen Veränderung kommt eine vertikale Höhenstufung hinzu.

Anden in Bolivien

Was definiert eigentlich ein Hochgebirge? Eine absolute Höhenangabe reicht nicht zur alleinigen Kennzeichnung aus. Der Altiplano stellt bis 4800 m ebene Flächen dar, während die Südanden selbst mit Höhen von 2000 m, in Südpatagonien bereits ab 1000 m absoluten Hochgebirgscharakter haben. Egal was man unter Hochgebirge auch versteht – charakteristisch ist eine vertikale Abfolge verschiedener Höhengrenzen, die in der Regel über die Vegetation definiert werden. In Lateinamerika ist dies nicht immer so eindeutig möglich wie etwa in den Alpen, wo überall eine obere Waldgrenze (natürliche Grenze einer geschlossenen Waldbedeckung) existiert. Da die Anden von der Trockendiagonale geschnitten werden, die bei ariden Bedingungen keinen Waldwuchs zulässt, sind dort die Höhengrenzen durch andere Vegetationsformationen bestimmt. In den humiden und semihumden Regionen stellt dagegen die Waldgrenze eine markante Höhnenstufengrenze dar. Dies gilt in gleicher Weise für die rezente Schneegrenze.

Die Anden Südamerikas warten in vielerlei Hinsicht mit Weltrekorden auf. Auf dem Altiplano mit 4700 m liegt die höchste (konstruierte) Baumgrenze der Erde (Bäume wachsen dort natürlich nur aufgrund menschlicher Kulturtätigkeit) und in den subtropischen Anden Argentiniens verläuft die Schneegrenze auf rekordverdächtigen 6000 m. Das erklärt sich nicht allein durch klimatische Umstände, auch die Trockenheit verhindert dort die Ausbildung von Eismassen. Nach Süden verlieren alle Grenzen deutlich an Höhe.

Morphologische Skizze vom Pazifik zur Ostkordillere der Anden

Ein jedes Gebirge ist durch das Nebeneinander von Vollformen und Hohlformen definiert, zwischen denen sich je nach Höhendifferenz eine unterschiedliche Reliefenergie ausbildet. In den Anden und Kordilleren befinden sich im Gebirgsinneren und an ihren Rändern ausgedehnte Flächensysteme. Dabei handelt es sich z.T. um Altflächen, den Raxflächen der Alpen vergleichbar, z.T. um aufgefüllte intramontane Becken, z.T. aber auch um Gebirgsfußflächen (Pedimente und Glacis).

 down 2.2.2.1 Vollformen
 down 2.2.2.2 Flächensysteme
 down 2.2.2.3 Hohlformen
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