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Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
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 up 1 Geologie, oder: Die Gesteinswelten Lateinamerikas
 up 1.3 Regionale Geologie
 up 1.3.2 Geologischer Aufbau Mittelamerikas
 up 1.3.2.3 Westindien

1.3.2.3.1 Die Großen Antillen

Die Großen Antillen sind in ihrer geologischen Struktur dem zentralamerikanischen Festland sehr ähnlich: an eine aus kristallinen Schiefern, Gneisen und alten Eruptivgesteinen aufgebaute Achse schließen im Norden jüngere Muschel- und Korallenkalke an, die einer intensiven Verkarstung unterliegen und durch das vorherrschende Klima zu einer idealtypisch ausgeprägten Kegelkarstlandschaft umgestaltet worden sind.

Tal von Viñales, Kuba

Kuba, die größte Insel der Karibik ist von einer weiten sanftwelligen Landschaft geprägt und ist im überwiegend aus Kalken aufgebaut und im Küstenbereich von Buchten, Lagunen und Sümpfen (vor allem auf der Halbinsel Zapata) gekennzeichnet. Zwischen Santa Clara und Mos durchzieht allerdings ein Band mesozoischer Intrusivgesteine den Nordostteil der Insel. An drei Stellen herrscht Gebirgscharakter: Im Nordwesten befindet sich das Tal von Viñales, eigentlich eine Karstrandebene und die sich anschließende Sierra de los Órganos, bekannt durch den ausgeprägten Kegelkarst, der erstmalig auf der Welt dort eingehend untersucht wurde. Deswegen haben sich die kubanischen Lokalbezeichnungen in der wissenschaftlichen Karstliteratur als Fachtermini eingebürgert.

Im mittleren Inselteil erhebt sich die Sierra de Trinidad (Pico San Juan, 1135 m). Aus kretazischen Sedimenten ist die Sierra Maestra aufgebaut, die den höchsten Gipfel Kubas, den Pico Turquino (1994 m) hervorbringt. In diesem unwirtlichen Landesteil hielten sich die kubanischen Revolutionstruppen Fidel Castros versteckt, ehe mit dem Marsch auf Havanna die Revolution gelang.

Ist der Reliefunterschied am Land nicht weiter nennenswert, so ist das Gefälle zum Caymangraben beachtlich: im Südteil fällt die Küste schroff auf über 7000 m unter den Meeresspiegel ab. Grund hierfür sind tektonische Bruchstufen am Meererboden. Der Hauptinsel sind etwa 1600 kleinere Inseln vorgelagert, die allesamt aus Korallenkalken aufgebaut sind.

Kuba ist neben den bekannten Agrarexportprodukten Zucker und Tabak reich an mineralischen Rohstoffen. Man findet Nickel-, Chrom und Kobaltlager. Eisen, Mangan und Gold wird dagegen nur in wenig ergiebigen Lagerstätten gefördert, auch die Fördermengen von Erdöl und Erdgas reichen nicht für die nationale Versorgung aus, so dass man sich in den 1970er Jahren zum Ausbau der Atomenergie entschloss, eine Torheit, die nach Tschernobyl und dem Zusammenbruch der Sowjetunion glücklicherweise nicht weiter verfolgt wird.

Die zweitgrößte Antilleninsel ist Hispañola, mit den beiden Staaten Haiti und der Dominikanischen Republik. Ihren buchtreichen Küsten sind Korallenriffe vorgelagert. Im Vergleich zu Kuba ist das Landschaftsbild ganz unterschiedlich. Die Insel ist gebirgig und weist mit dem Pico Duarte einen 3000er Gipfel auf. Im Inneren ist die Insel daher nur schwer zugänglich. Als Kolumbus am spanischen Hof über die Natur der Insel berichtete, nahm er ein Blatt Papier, zerknüllte es in der Hand, warf es auf den Tisch und sagte: „Das ist Hispañola, nur Berge und Täler.“ Von Nordwesten nach Südosten zieht ein etwas älterer Gebirgskern aus Graniten, Gneisen und Dioriten die Insel. An diesen Kern gliederten sich in der Kreide und im Tertiär gefaltete Kalke und Mergel, zum Teil mit der Ausbildung von Kegelkarst, an. Zwischengeschaltet sind immer wieder Vulkanite. Junge Bruchsysteme folgen dem Streichen des Gebirges, heute noch wird die Insel immer wieder von schweren Erdbeben erschüttert.

Die höchste Erhebung der Insel, der Pico Duarte, misst 3175 m und ist zugleich der höchste Berg Westindiens, wird aus mesozoischen Intrusivgesteinen aufgebaut. Nördlich und südlich der Cordillera Central durchziehen jeweils zwei Tiefenzonen die Insel, von heftigen Bruchzonen begrenzt.

Bis zu 2257 m erheben sich die Blue Mountains im Osten der Insel Jamaika, an die sich ein niedriges Kalkplateau anschließt. Der Osten der Insel hat den Charakter einer vollkommen ausgebildeten Karstlandschaft, gekennzeichnet durch Dolinen und Karstkegeln in schönster Ausprägung, besonders im „Cockpit Country“. Die Blue Mountains sind der Kern der Insel ist Teil des NW-SO streichenden Faltengebirges der Antillenkordillere, die hier stärker herausgehoben wurde als in anderen Teilen der Insel. Diesem liegt diskordant eine junge Kalksteintafel auf, durchwegs tertiärem Alter, die den Grossteil der Insel bildet und nicht mehr als 900 m Meereshöhe erreicht. Lehrbuchhaft sind auf Jamaica Sinterterrassen ausgebildet, die z.T. versteinerte Beckenpyramiden bilden, über die sich kaskadenartig blaues Wasser in die Tiefe ergießt

Puerto Rico wird vielfach - vor allem von Nordamerikanern - als schönste der Antillen-Inseln bezeichnet. Nicht an McDonalds gewöhnte Europäer werden sich über ein solches Urteil eher wundern. Viele europäische Besucher lassen sich daher für die drängende Frage der Puertoricaner "Quienes somos?" (zu Deutsch: "Wer sind wir eigentlich?") sensiblisieren.

Der geologische Aufbau zeigt sich von der Nordamerikanisierung (wie im Falle Mexikos) freilich unbeeinflusst. Er zeigt an der Oberfläche eine klare Dreiteilung. Mesozoische Intrusiv- und Eruptivgesteine bedecken die höheren Teile der Insel, die von jurassischen Sandsteinen, Schiefern, Konglomeraten, Tuffen und Aschen umlagert werden. Der nördlichste Bereich wird von paläogenen Kalktafeln aufgebaut, die in wunderschöner Ausprägung Formen des tropischen Kegelkarstes aufweisen. Darin eingelagert ist die Schüssel eines der größten Weltraumobservatorien, natürlich betrieben von US-Amerikanern. Im Norden der Insel verursacht die Grenze der karibischen und amerikanischen Platte große untermeerische Sprunghöhen. Wenige Kilometer vor der Küste fällt der Puerto-Rico-Graben auf über 9000 m ab. Die Insel ist dagegen als bis auf 1338 m über dem Meer gehobener Horst anzusehen.

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