Logo
Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
Home
Sitemap
Vorherige
Nächste
 up 1 Geologie, oder: Die Gesteinswelten Lateinamerikas
 up 1.2 Aufbau der Erde
 up 1.2.1 Tektonische Bewegungen

1.2.1.4 Die Plattentektonische Hypothese

1912 von dem Geophysiker Alfred Wegner entwickelt fand die Kontinentaldrifttheorie in den 1960er Jahren durch neue geophysikalische Methoden späte Anerkennung und Bestätigung.

Man erkannte das geologisch junge Alter der heutigen Ozeanböden (nur mehrere 100 Millionen Jahre). Seismische, gravimetrische und magnetotellurische Untersuchungen und geotektonische Beobachtungen ergaben, dass sich die Erde aus sechs bis neun Großplatten aufbaut, die als mehr oder weniger lose aneinander gefügte Kugelkalotten die Asthenosphäre (des Erdmantels) überlagern. Durch Konvektionsströme in der Asthenosphäre werden die Lithosphärenplatten angetrieben. Plattengrenzen verhalten sich entweder passiv, d.h. ohne nennenswerte Verschiebungen, oder sie erfahren einen vertikalen Verschub, oder schieben sich gegeneinander. Ozeanische Rifte fungieren als konstruktive Plattengrenzen. Entlang der Spaltenausbrüche der Riftzonen werden über aufsteigenden Konvektionsströmen ständig neue ozeanische Krustenteile gebildet. Den Vorgang der Krustenspaltung wird international als "sea floor spreading" bezeichnet. Vereinfacht kann man sich das ähnlich vorstellen wie die Bewegung von siedendem Wasser in einem Kochtopf: die dabei aufsteigenden Luftblasen steigen senkrecht auf und bewegen an der Oberfläche zum Topfrand hin.

Entwickung der Subduktionszone in den zentralen Anden

In ganz ähnlicher Weise wandert die bei dem Vorgang der Ozeanspreizung entstandene ozeanische Kruste von den ozeanischen Riften weg auf die Kontinentalränder (vergleichbar dem Topfrand) zu. Zur weiteren Erklärung versagt das Bild des Topfes, da die Kontinentalschollen keinen tiefen Rand darstellen. In Wahrheit "schwimmen" sie nur auf dem schwereren Material des Erdmantels, aus dem auch die ozeanischen Platten aufgebaut sind. Das aus den mittelozeanischen Rücken stammende und zu den Kontinenten transportierte Material wird - da es schwerer ist - unter die (leichteren) Kontinentalschollen geschoben. Diesen Vorgang, der von Erdbeben begleitet wird, nennt man Subduktion. Beim Absinken schmilzt die ohnehin bereits zähplastische ozeanische Kruste zum Großteil auf und wird zu Magma. Vermischt mit kontinentalem Material steigt sie in den Kordilleren und Inselbögen als Schmelze wieder auf und bildet -bei langsamer Abkühlung in den benachbarten Gesteinen - die riesigen plutonischen Batholithe oder - bei raschem Aufstieg - die Vulkanketten der Anden oder die vulkanischen Inseln der Karibik.

Die Subduktionsraten können sehr unterschiedlich sein, da sie u.a. von der wechselnden Plattengeschwindigkeit und der Neigung des Kontinentalrandes abhängig sind. Sie betragen im Bereich der kleinen Antillen 1,5 cm/Jahr, im peruanisch-chilenischen Küstengebiet dagegen über 10 cm/Jahr. Auch der Abtauchwinkel der ozeanischen Platte kann stark variieren (zwischen 30° und 90°). Die Erforschung der Erdbeben trug viel zum Verständnis der Vorgänge im Erdinneren bei. So erkannte man, dass Erdbebenhypozentren den Verlauf der Subduktion wiedergeben. Den Bereich der Erdbebenhypozentren in Subduktionszentren nennt man Benioffzonen. Sie sind in der Regel in einer Tiefe von 30 km bis zu 700 km zu finden. Der Erdbeben werden durch Aufbau und Auflösung von Spannungen der abtauchenden, kühleren Platte, bzw. durch den Widerstand des Erdmantelamterials gegenüber der abtauchenden Bewegung der Platte ausgelöst.

Bei der Kollision kontinentaler Krustenteile liegt die Benioff-Zone maximal in 40 km Tiefe. Werden leichte kontinentale Krustenteile subduziert, wird der Auftrieb verstärkt, und es kommt zur Heraushebung von Gebirgen (Orogenese).

 down 1.2.1.4.1 Plattenkollisionen
Hilfe Seitenanfang
Home Sitemap Suche Bilder Vorherige Nächste

Letzte Aktualisierung dieser Seite:
Öffne externe Links in neuem Fenster?

© Copyright "Lateinamerika-Studien Online"