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Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
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Klimatologie, oder: Klimatische Grundstrukturen und -prozesse in Lateinamerika

Die Klimatologie ist die Wissenschaft vom Klima. Sie gehört zur Meteorologie (Wetterkunde), unterscheidet sich von dieser jedoch durch einen anderen räumlichen (weltweite Betrachtung) und zeitlichen (langfristige Betrachtung) Maßstab. Dennoch ist ihre Perspektive auf das atmosphärische Geschehen gerichtet. Die Klimageographie, ihre wichtigste Nachbarwissenschaft, dagegen erfasst, beschreibt und erklärt das Klima als räumliches Geschehen, und tut dies, wie jede andere Teildisziplin der Geographie, unter Berücksichtigung anderer räumlicher Erscheinungen. Deswegen sind für die Klimageographie auch regional-, lokal- oder gar mikroklimatische Eigenarten interessant, die durch Relief, Vegetationsbedeckung, menschliche Nutzung und andere räumliche Faktoren beeinflusst werden.

Klimatologie und Klimageographie definieren die Grundbegriffe ihres gemeinsamen Erfahrungsobjektes wie folgt:

Wetter ist das momentan ablaufende Geschehen in der Atmosphäre.

Witterung ist der über eine gewisse Frist (Tage oder Wochen) anhaltende Zustand des Wetters.

Klima ist die langfristige Synthese der Variationsbreite des Wettergeschehens und der Witterungszustände eines größeren Gebietes.

Das Klima ist unter anderem von der Breitenlage, d.h. von der Nähe bzw. Entfernung zu Äquator und Pol, abhängig. Deswegen sind die großen Klimagebiete der Erde tendenziell breitenkreisparallel angeordnet. Wir sprechen daher auch von Klimagürteln. Das Relief, die Entfernung zum Meer (Maritimität, Kontinentalität), die Einflüsse kalter und warmer Meeresströmungen sowie die größere oder geringere Kontinentalmasse auf den Breitenkreisen modifizieren jedoch die Ausprägung der Klimagürtel.

Die Klimatologie hat zwei Hauptrichtungen. Die dynamische Klimatologie untersucht das atmosphärische Geschehen weltweit und versucht, die Ursachen und Bedingungen der Entstehung der unterschiedlichen Klimagürtel zu erfassen, zu beschreiben und zu erklären. Die effektive Klimatologie dagegen ermöglicht erst überhaupt die Abgrenzung der einzelnen Klimagürtel. In Wahrheit gibt es ja keine wirklichen Klimagrenzen, da das Klima sich von Nord nach Süd und West nach Ost kontinuierlich verändert und ständigen Veränderungen unterworfen ist. Jede Klimaklassifizierung kann nur eine Momentaufnahme sein. Die effektive Klimatologie legt daher Grenz- oder Schwellenwerte fest, mit deren Hilfe es gelingt, unterschiedliche Klimaregionen zu definieren. Die Klimaklassifikation ist daher das Hauptanliegen der effektiven Klimatologie.

Während die dynamische Klimatologie Grundstrukturen eines stringenten Theoriegebäudes besitzt (die Lehre von der atmosphärischen Zirkulation), haben sich in der effektiven Klimatologie unterschiedliche Schulen gebildet. Sie werden nach den wichtigsten Autoren benannt und unterscheiden sich in Methode und Ergebnis. Die wichtigsten Autoren/Schulen sind: Köppen, v.Wissmann, Troll/Pfaffen, Lauer/Frankenberg. Das System des baltisch-russischen Klimatologen Wladimir Köppen hat den Vorteil einer klaren, leicht verständlichen Systematik, der Reduzierung der Klimaregionen auf wenige Hauptklassen und der klaren hierarchisch gestaffelten Differenzierung dieser Klassen. Sein Handicap ist die thermische Abgrenzung der Tropen (18° Isotherme des kältesten Monats, d.h. alle jene Orte, in denen die Monatsdurchschnittstemperatur irgendwann im Jahr unter 18°C sinkt, liegen bei Köppen außerhalb der Tropen). Dies ist beispielsweise in den Höhenregionen tropischer Gebirge (ab tierra fría, dem "kalten Land") der Fall.

Die anderen Autoren argumentieren einheitlich und völlig zu Recht, dass die Tropen nicht thermisch zu definieren seien. Sie ziehen daher die Tropengrenze dort, wo die Temperaturschwankungen zwischen Sommer und Winter (Jahresschwankungen der Temperatur, auch "Jahresamplitude" genannt) größer werden als die Schwankungen zwischen Tag und Nacht (Tagesamplitude). Tropische Klimate sind demnach Tageszeitenklimate, außertropische (=ektropische) dagegen Jahreszeitenklimate. Die größere Präzision dieser Tropendefinition setzt sich bei allen diesen Autoren jedoch leider in der Liebe zum Detail bei ihren Klassifikationen fort, so dass für den Laien die Köppensche Klassifikation immer noch die am leichtesten verständliche ist.

 down 4.1 Deskriptive Klimatologie - Die wichtigsten Klimaelemente und -erscheinungen für Lateinamerika im Überblick
 down 4.2 Dynamische Klimatologie - Grundzüge der atmosphärischen Zirkulation in Lateinamerika
 down 4.3 Effektive Klimatologie - Klimatologische Zonierung Lateinamerikas nach KÖPPEN
 down 4.4 Thermische Vertikalgliederung - tropische Höhenklimate
 down 4.5 Literatur zur Klimatologie
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