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Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
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 up 2 Geomorphologie, oder: Das Relief Lateinamerikas
 up 2.1 Allgemeine Geomorphologie
 up 2.1.1 Reliefbildende Prozesse

2.1.1.5 Glaziale Reliefformung

Als glazialer Formenschatz fasst man alle Formen zusammen, die auf Abtragung und Aufschüttung durch die Tätigkeit von Gletschereis zurückgehen. Glazialformen treten nach dem Abschmelzen der Eisbedeckung frei zu Tage. Zu unterscheiden sind:

Gletscher vom nördlichen patagonischen Inlandeis
  • Formen als Ergebnis heute noch tätiger, "rezenter" Gletscherrückgänge. Es sind sehr frische und gut erhaltene Formen jungen Alters.
  • Formen früherer Vereisungsperioden, etwa aus dem Pleistozän, oder noch älteren kälteren Perioden (z.B. Oberkarbon).

Besonders in Patagonien spielt rezente glaziale Reliefformung eine große Rolle. Die Anden wurden während der vergangenen Eiszeiten mehrfach von Gletschern überprägt.

Begriffe:

subglazial: Vorgänge und -Erscheinungen unter dem Eisfluvioglazial, glazifluvial durch Schmelzwässer unter dem Eis oder vor dem Eisrand befindliche Prozesse und Formen;

periglazial: klimabedingte Vorgänge und Formen ausserhalb vergletscherter Gebiete (z.B. Fließerden, Strukturböden, Dauerfrostboden, etc.);

glaziäolisch: Windablagerungen, deren Substrat aus Geltschervorfeldern kommen (Löß, Flugsande, Binnendünen);

glazilimnisch: Ablagerungen in Eisstauseen oder anderen gletscherbedingten Seebecken (Deltaschotter, Bändertone);

glazimarin: von Gletschern, oder Schmelzwasserflüssen im Meer abgelagerte Materialien.

Gletscherbildung setzt die klimatische Bedingung "S" (Schneeniederschlag) > "A" (Ablation durch Abschmelzen und Sublimation) im langjährigen Mittel voraus. Dieses war oder ist bei feuchtkaltem Klima der polaren Gebiete sowie Hochgebirgsbereichen der Fall. Gebiete der Gletscherbildung, wo S > A ist, nennt man Nährgebiete, die von der Schneegrenze, wo S = A ist, nach unten begrenzt werden. Diese liegt in polaren Bereichen zwischen 0 und 500m Seehöhe, in den Alpen zwischen 2500 und 3000m, in Feuerland bei etwa 1000m, in den tropischen Anden bei 5000m, im Bereich des Wendekreises sogar noch höher. Hier ist allerdings der limitierende Faktor weniger die Temperatur, sondern die große Trockenheit. Untenstehende Abbildung zeigt den Verlauf der regionalen Schneegrenze gemäß den Breitenkreisen der Erde.

Aus dem Nährgebiet kommend stoßen die Gletscher bis weit unterhalb der Schneegrenze vor. Diesen Bereich nennt man Zehrgebiet, da hier S < A ist. Ein Gletscher endet dort, wo A = S + Z (Gletschereiszufuhr aus Nährgebiet).

Gráfica: Glaciares
 down 2.1.1.5.1 Glaziale Formen
 down 2.1.1.5.2 Typen von Gletschern
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