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Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
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 up 6 Ökologische Probleme Lateinamerikas in Beispielen

6.1 Die Regenwaldzerstörung

Heute ist allgemein anerkannt, dass intakte tropische Regenwälder als langfristig erhaltenswerte Ressourcen einen wesentlich größeren Wert besitzen, als wenn sie in Weideland oder andere, minderwertigere Lebensräume umgewandelt würden. Die Regenwälder haben die größte Biomasse pro Fläche aller Pflanzengesellschaften der Erde aufgebaut, und zwar nahezu unabhängig von der Bodenbeschaffenheit. Richtig bewirtschaftete Regenwälder können enorme Mengen wertvollen Holzes liefern, zugleich aber im Unterschied zu bisher üblichen Nutzungsweisen – wie Umwandlung in Weideland oder rücksichtslose Abholzung zur Gewinnung von Edelhölzern – die von Natur aus sehr dünne Humusschicht festhalten, Erosion und Denudation verhindern, den Wasserabfluss regulieren und das Mikroklima stabilisieren.

In jüngster Zeit fanden die massive Abholzung der Regenwaldfläche vor allem unter dem Aspekt weltweiter Klimaveränderungen große Beachtung. Dies hängt einerseits mit der durch die Brandrodung verursachten CO2-Produktion zusammen, sowie andererseits mit dem Verlust an feuchtigkeitsspeichernder Waldfläche. So gilt z.B. Amazonien als weltweit größtes Süßwasserreservoir und wichtigster Sauerstoffproduzent. Schon heute kann beobachtet werden, dass in gerodeten Gebieten die Niederschläge geringer ausfallen, was sich auf die geringere Verdunstung durch den Mangel an Bäumen und die abnehmende Wolkenbildung zurückführen lässt. Die Auswirkungen auf das Weltklima lassen sich derzeit noch nicht abschätzen, ebenso wenig wie der Verlust zahlloser, teilweise noch nicht entdeckter oder kaum bekannter Tier-, Pflanzen- und Pilzarten.

Brandrodungs-Wanderfeldbau

Da die Regenwälder das größte Reservoir an Tier-, Pflanzen- und Pilzarten unseres Planeten beherbergen (Biodiversität), stellen sie zugleich auch riesige Genbanken dar, die heute und in Zukunft gebraucht werden, um neue Medikamente zu entwickeln oder den Nahrungsmittelspielraum der Erdbevölkerung zu erweitern. Diosgenin, ein in Verhütungsmitteln verwendeter Wirkstoff, Reserpin, ein Mittel gegen Herzbeschwerden, und Curare, das bei Herz- und Lungenoperationen eingesetzt wird, werden aus drei Pflanzen des Regenwaldes gewonnen. Diese Nutzung weist auf weitere, bisher kaum abschätzbare Ressourcen des Regenwaldes hin.

Rund 40% der Erdoberfläche werden von tropischem Regenwald bedeckt; davon werden nach Angaben der FAO jährlich 12,9 Mio. ha vernichtet. Für Lateinamerika gibt es kaum verlässliche Schätzungen. Eine NASA-Studie, die auf Satellitenaufnahmen beruht, kam zu dem Schluss, dass die bis 1993 abgeholzte Fläche in Amazonien weniger als 280– das sind fünf Prozent der gesamten Waldfläche – betrug. Die Geschwindigkeit, mit der die Abholzung voranschreitet, liegt demnach bei 11In dieser Studie wurden jedoch nur wirklich baumfreie Flächen erfasst. Andere Schätzungen gehen daher für dasselbe Jahr von einer von Abholzung betroffenen Fläche von 700.000 km² (14 % der Gesamtfläche) aus.

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