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Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
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 up 4 Klimatologie, oder: Klimatische Grundstrukturen und -prozesse in Lateinamerika
 up 4.2 Dynamische Klimatologie - Grundzüge der atmosphärischen Zirkulation in Lateinamerika

4.2.2 Was sind eigentlich die Tropen?

Neben den astronomischen Definitionen gibt es noch andere Möglichkeiten sich der Abgrenzung der Tropen zu nähern, die dem tatsächlichen Erscheinungsbild vielleicht besser entsprechen.

Mathematisch-astronomisch sind die Tropen als das Gebiet definiert, in denen die Sonne jährlich mindestens einmal im Zenit steht. Dies ist der breite Gürtel der niederen Breiten zwischen den Wendekreise.

Klimatologische und geobotanische Beobachtungen zeigen aber, dass eine so schematische Abgrenzung der Wirklichkeit nicht gerecht wird. Der bedeutende Klimatologe Wladimir Köppen hat aus einer Unzahl von Beobachtungen induktiv die 18°C-Isotherme des kältesten Monats als Tropengrenze vorgeschlagen, d.h. dass innerhalb der Tropen die Monatsmitteltemperatur nicht unter 18°C absinken darf. Jeder Ort, in dem diese Grenze unterschritten wird, liegt nach Köppen schon außerhalb der Tropen. Tatsächlich entspricht diese Grenzziehung weit mehr der Verbreitung der tropischen Vegetation, die von Köppen zu Recht als komplexer Klimaindikator angesehen wurde.

In der Höhe und der Breite entspricht diese Grenze in etwa auch der absoluten Frostgrenze. Auch diese wird zur Abgrenzung der Tropen verwendet, d.h., dass dort, wo (Nacht-)Fröste auftreten können, die Ektropen bereits erreicht sind.

Schließlich hat der bekannte Tropengeograph Carl Troll die Tropen als jene Klimazone definiert, in denen die Tagesamplitude der Temperatur größer ist als die Jahresschwankung. Mit anderen Worten: Wo der Unterschied zwischen Tag und Nachttemperatur größer ist als der zwischen dem Monatsmittel des kältesten und wärmsten Monats im Jahr, dort befindet man sich in den Tropen.

Alle diese Definitionen haben ihren Wert und ihre Berechtigung. Für die klimatologische Forschung haben sich die Definitionen von Köppen und von Troll am fruchtbarsten erwiesen und eine ganze Reihe von Weltklimakarten hervorgebracht, die die von diesen beiden Wissenschaflern definierten Tropengrenzen in kartographische Darstellungen umsetzen. Beim Vergleich von Karten, die auf den Überlegungen dieser Klimaforscher stellt sich heraus, dass keine der Karten ganz ideal ist, jede also „Fehler“ aufweist, so dass es letztlich vom Einsatzzweck abhängt, welche der verschiedenen Darstellungen man wählt. Wichtig ist freilich, dass man sich der Mängel bewusst ist.

Bei Köppen geht die vielleicht wichtigste Ungenauigkeit auf seine „thermische“ Definition der Tropen zurück. Da das Monatsmittel des kältesten Monats in der Höhe rasch unter 18°C sinkt, in den inneren Tropen ist das bei rund 2000 m Meereshöhe der Fall, liegen Köppen zufolge die Höhenstockwerke der Anden, also die Tierra fría bis zur Tierra nevada, außerhalb der Tropen.

Dies ist – richtigerweise – bei Troll nicht der Fall. Bei ihm sind die Kältestufen der Anden allenfalls eine „Höhenfazies“ des Tropenklimas, da auch dort die Tagesamplituden größer als die Jahresamplituden. Bei der Troll-Paffenschen Klimakarte und allen von anderen Autoren auf ähnlichen theoretischen Überlegungen folgenden Weltklimakarten entstehen aber Verbreitungsmuster, die große Kongruenzen zu den Breitenkreisen aufweisen. Gerade in Lateinamerika aber ergibt das ein falsches Bild.

Ursächlich dafür ist die Vernachlässigung der hygrischen Verhältnisse. Köppen bezieht nämlich in seine Klimaklassifikation die Trockenzonen ausdrücklich ein. Dies ermöglicht die klare Definition der für Südamerika so prägenden sogenannten „Trockendiagonale“.

Es muss aber klar herausgestellt werden, dass für die Abgrenzung der Tropen ausschließlich thermische Verhältnisse ausschlaggebend sind, nicht aber hygrische. Das heißt, dass in den Tropen sowohl sehr humide als auch extrem aride Bedingungen herrschen können. Die Unschärfe der Tropengrenze in hygrischer Hinsicht zeigt sich bei Betrachtung ihrer geographischen Lage: Sie verläuft mitten im rand-subtropischen Wüstengürtel. An ihn schließen sich beidseits wechselfeuchte Gebiete an: zum Äquator die von Sommerregen charakterisierten Savannenklimate, zu den Polen die Steppenklimate, die stärker durch Winterregen gekennzeichnet sind.

Für die innere Differenzierung der Tropen sind aber die hygrischen Verhältnisse das wichtigste Kriterium. Sie lassen eine horizontale Gliederung zu. Als Steuerfaktor des tropischen Niederschlags wirkt die scheinbar zwischen den Wendekreisen hin und her pendelnde Sonne. Die sogenannten Zenitalregen fallen kurz nach dem Höchststand der Sonne als intensive Konvektionsniederschläge. Sie fallen durch den senkrechten Sonnenstand wie bei einem Hitzegewitter durch den starken Luftauftrieb und fallen mit nur geringer Verzögerung im März und September über den inneren Tropen. Hier haben die Gebiete ein doppeltes Niederschlagsmaximum, wenn sich diese Regenperioden nicht sowieso ineinander übergehen.

Freilich kommt es auch in den Tropen zu einer starken Abwandlung der Niederschlagsverhältnisse durch die Orographie:

Grafik: Hygrisches Querprofil über die kolumbiansichen Anden

Zu den Wendekreisen hin kommt es nur mehr zu einer Regenzeit im Sommer (Sonne im Zenit) bis sie gar nur mehr episodisch auftreten und von absteigenden Passatströmungen aufgelöst werden. Demnach lassen sich weitere drei tropische Gürtel abgrenzen:

  • Den immerfeuchten äquatorialen Tropen (Af-Klimate nach Köppen)
  • Den wechselfeuchten semihumiden bis semiariden Tropen (Köppen: Aw)
  • Den semiariden bis ariden Randtropen (Köppen: BWh/BSh)
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