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Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
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1.3.1.3.6 Nordanden

Karte: Gliederung der Nordanden in Kolumbien

Kolumbien

Die morphologische Struktur der Anden Kolumbiens zeigt die Struktur der Nordanden mit ihren drei, klar voneinander getrennten Gebrigssyteme am deutlichsten. Die Westkordillere, Cordillera Occidental, wird dabei durch das Tal des Río Cauca von der Zentralkordillere, der Cordillera Central, getrennt. Zwischen dieser und der Ostkordillere, Cordillera Oriental, liegt das breite Tal des Río Magdalena. Aufbau und Struktur der drei Gebirge sind vollig unterschiedlich.

Bemerkenswert sind die ausgeprägten Subsistenzbereichen, Zonen mit großen Absenkungstendenzen, zwischen den Kordillerenketten Kolumbiens und Venezuelas.

Querschnitt durch die Anden

Zwischen Pazifik und Cordillera Occidental liegt ein aus mächtigen tertiären Sedimenten aufgebauter hügeliger Küstenbereich. Einzige höhere Erhebung ist die Sierra de Baudó (.1810 m), eine mesozoische vulkanische Extrusion. Gegen Osten schließen leicht metamorphe Tonschiefer und Kieselschiefer, die von mächtigen basaltischen Vulkanitdecken bedeckt sind. Dieser Kompex baut die Westkordillere auf. Man deutet heute diese Struktur als Rest einer ozeanischen Krustenteiles mit Inselbogen-Vulkanismus, das erst im Tertiär der kontinentalen Kruste Südamerikas angelagert wurde. Lokal intrudierten tertiäre Tonalitstöcke in die jurassisch-kretazischen Vulkanite.

Die Zentralkordillere wird von alten präkambrischen und altpaläozoischen Gesteinen bestimmt. Typisch für die Cordillera Central sind niedriggradige Metamorphite, wie Phyllite, Quarzite und metamorphisierte Komglomerate. Sie weisen eine ausgeprägte Schieferung und scharfe Faltungen auf. Die Metamorphite werden diskordant von devonischen und unterkarbonischen kontinentalen sowie oberkarbonischen und permischen marinen Sedimenten überlagert. Am Ostrand befindet sich ein Gemisch aus permotriassischen Ignimbriten und kreidezeitlichen Konglomeraten, Grauwacken, Pyroklastika und Kalksandsteinen. Zwar erreichen Ost- und Westkrodillere ebenfalls beachtliche Höhen, die Zentralkordillere wurde allerdings bis in die Kreide gewaltig gehoben. Sie ist auch der einzige Beriech Kolumbiens der von jungem, ab dem Miozän einsetztenden, Vulkanismus geprägt ist. Die höchsten Gipfel werden von sehr jungen Vulkanen aufgebaut. Zu den höchsten zählen der Nevado Tolima (5215 m), der Nevado de Huila (5439 m) und der Nevado de Ruiz (5400 m), um nur einige zu nennen. Letztgenannter brach 1985 in verheerender Weise aus.

Die Ostkordillere hat eine kompliziertere Struktur. Zunächst in drei Gebieten der prätriassiche Sockel aufgeschlossen. Von Süden nach Norden liegen diese bei Garzón, der Bereich Quetamé und bei Santander. In sich ist dieser Körper ebenfalls sehr heterogen aufgebaut. Das Gestein besetht aus stark metamorphen Gneisen und Granuliten. Ein weites Gebiet wird von gewaltigen marinen Kreideserien eingenommen, die dirkordant über dem alten Sockel liegen. In einigen Bereichen erreichen diese Serien eine Mächtigkeit von bis zu 11.000 m. Im Gegensatz zum tektonisch stark untergliederten Socke sind in der Kreide nur sehr schwache Faltenstrukturen zu beobachten - ungewöhnlich, darüber hinaus wurde dieses mächtige Schichtpaketvon keiner weiteren Orogenes erfasst.

Bemerkenswert ist die tektonische Struktur der Ostkordillere. Der Nordbereich ist tektonisch stark untergliedert, weiter südlich dominieren große Aufwölbungen, Diese Strukturen beeinflussen auch das Aussehen des Deckgebrige. Insgesamt handelt es sich um einen riesigen tektonsich gehobenen Block zwischen den Tiefenbereichen des Río Magdalena im Westen und den Llanos im Osten. Einzelne Verwerfungen im Sockel weisen einen Höhenunterschied von 10.000 m auf !

Junge Tektonik spielt auch in den nördlichen Grundgebirgsschollen Kolumbiens eine große Rolle. Die Sierra Nevada de Santa Marta und die wesentlich niedrigere Halbinsel Guajira sind vom Rest der Anden durch Sankungszonen getrennt. Die Sierra Nevada de Santa Marta steht überhaupt einen nach allen Seiten von tektonischen Strukturen begrenzter Block dar. Imposant ist der höchste Punkt des Gebirges: der Cristóbal Colon mit einer Höhe von 5776 m liegt direkt über dem karibischen Meer.

Wie in den anderen nördlichen Gebrigen Kolumbiens ist auch die Sierra Nevada gekennzeichnet durch komplexe Strukturen im Inneren. Den blockartig gehobenen Gebirgssockeln stehen weit abgesunkene Krustenteile gegenüber, mit mächtigen Sedimentschichten augefüllt.

Die innere Struktur zeigt zuunterst aus präkambrischen hochmetamorphen Gneisen, Granuliten und Amphiboliten, es folgen permotriassische Rotsedimente und Ignimbrite. In jungerer Zeit, etwa vor 190 und 50 Mill. Jahren, drangen ausgedehnte granitische Plutone ein.

Eine der wichtigsten Störungszonen der Anden ist das W-E verlaufende System der Oca-Störung, die im Osten noch in der venezolanischen Sierra Mérida weiterzuverfolgen ist. Sie begrenzt die Sierra de Nevada nach Norden und Osten. Allein im Alttertiär waren hier Vertikabwegungen von mehreren tausend Metern wirksam, die stärksten Vertikaltendenzen der Anden. Noch im Eozän führten Verschiebungen zu einem horizontalen Versatz von 15-20 km. Diese und andere Störungslinien der Sierra Nevada werden als Ausdruck für Aktivitäten zwischen der karibisch-südamerikanischen Plattengrenze gedeutet.

Venezuela

Anden in Venezuela

Direkt an die Cordillera Oriental schließt in Venezuela die Cordillera Merida an. Unweit im Südosten der Stadt Merida erreicht sie im Pico Bolivar (5004 m) ihren höchsten Punkt. Zusammen mit der Serranía de Perija (Pico de Taetria, 3750 m), ebenfalls ein Ausläufer der Cordillera Oriental, bilden sie den Rahmen für den Golf von Maracaibo und und trennt es von der Tiefebene des Orinocco. Beide Gebirge bestehen im Liegenden aus präkambrischen bis altpaläozoischen metamorphisierten Serien. Es folgen mächtige marine Sedimente, die sich zwischen Ordovizium und Devon ablagerten, darüber flyschähnliche Faziesreihen. Im jüngeren Paläozoikum folgen marine und kontinentale Sedimente. Während Trias und Jura nur stellenweise als limno-fluviatile Sedimente zu finden sind, entwickelte sich in der Kreide eine bedeutende marine Transgression. Das Tertiär überlagert die Kreide mit geringmächtigen marin-terrestrischen Serien. Den Abschluß bilden molasseartige Sedimente des Miozäns.

Magmatische Ereignisse datieren aus dem Paläozoikum als mehrfach Granitkörper intruierten. Auch vulkanische Tätigkeiten sind auf das Paläozoikum beschränkt, womit sich die Anden Venezuelas deutlich von anderen Andenbreichen unterscheidet - seit der Trias fanden hier keine magmatischen Vorgänge statt. Statt dem folgten Bruchverwerfungen, Blockbewegungen und Bildung grabenartiger Senken, bis schließlich am Ende des Eozäns ein starkes orogenetisches Ereignis die Anden zum Hochgebirge werden ließ.

Nordperu

In Zentral- und Nordperu unterscheidet man im Groben zwischen einer Westkordillere und einer Ostkordillere. Die Westkordillere ist in mehrere Jura- und Kreideserien untergliedert, bestehend aus Vulkaniten, Volkanoklasten und Sedimenten. Seit der Mittelkreide intrudiert in diese Komplexe Gesteinsformation in einzelnen Schüben ein Küstenbatholith. Die Gebirgsbereiche werden von diesem Plutonit geprägt. Im Gegensatz zu südlich und nördlich gelegenen Andenteilen wurde die Westkordillere zwischen Mesozoikum und Tertiär intensiv gefaltet. Schuppenstrukturen, Aufschiebungen und für die Anden eher ungeföhnliche Überschiebungen verleihen dem Gebirgszug einen komplizierten Aufbau.

Die Ostkordillere hat ebenfalls eine Besonderheit zu bieten. Hier treten präkambrische und paläozische Schiefer zu Tage, die während paläozoische Gebirgsbildugsphasen stark verformt und durch Intrusionen ergänzt wurden. Die Bildung kontinentaler Rotsedimente und Vulkanite zwischen Oberkreide und Pliozän verjüngten die Ostkordillere.

Nach Osten schließt eine subandine Zone die Anden ab. Sie besteht aus drei verschiedenen Elementen, allesamt aufgebaut aus mesozoischen und känozoischen Gesteinen.

Ecuador

Ecuador in seiner gesamten Längsausdehnung von zwei Gebirgssträngen durchzogen, der Westkordillere und der Ostkordillere. Getrennt werden sie durch eine grabenartige innerandine Senke, wo sich auch die Hauptstadt Quito befindet. Zwischen pazifischer Küste und der Westkordillere liegt ein weites Küstentiefland und der Golf von Guayaquil. Der breite Küstenstreifen besteht aus erdölführenden mächtigen Sedimentpaketen, die zwischen Kreide und Tertiär abgelagert wurden. Eine tektonische Besonderheit stellt die Cordillera de Chogon-Colonche dar. Im Gegensatz zu den stetig N-S-streichendnen Andenketten, verläuft dieser Höhenbereich (nicht höher als 700m) in WNW-ESE-Richtung.

Die Westkordillere besteht aus kreidezeitlichen basaltischen Vulkaniten und Peliten, deren Mächtigkeit einige 1.000m erreicht. Zwischen Oberkreide und Tertiär wurde diese Gesteinsserie mehrfach gefaltet. Gegen Osten hin sind flyschartige Sedimente der Oberkreide zu finden, bedeckt von Sedimenten des Tertiärs. Beide Serien sind durch junge tektonsiche Bewegungen ebenfalls tektonisch beansprucht und scharf gefaltet.

Während der gebirgsbildenden Phase im Tertiär entstand auch die grabenartige Senke von Quito. Die heutige Oberfläche liegt auf einer Höhe von 2.500 - 3.000m. Die Senke ist mit mächtigen pyroklastischen Lagen aufgefüllt. Dazwischen geschaltet sind glazigene Lahar-Ablagerungen. Im Tertiär setzt eine intensive vulkanische Aktivität ein. Im Beckenbereich bauten sich mächtige Vulkane auf, wie etwa der Chimborazo (6.310m) oder der Cotopaxi (5.897m) bei Ouito.

Die Ostkordillere durchzieht mit 650 km fast das gesamte Land und ist fast ausschließlich aus uralten metamorphen Gesteinen aufgebaut. Das Gesteinspektrum reicht dabei von hochgradig metamorphen Gneisen, Migmatiten des Präkambriums, bis zu Otho- und Paragneise, Grünschiefer und den schwach metamorphen Phylliten. Die jüngsten Gesteine entstammen dem Paläozoikum. Einzelne Granitintrusionen am Ostrand wurden in Oberjura und Tertiär eingeordnet.

Die subandine Zone entwickelte sich in einer weiten Snkungszone zwischen brasiliansichen Schild und Kordillere. Zwsichen Oberdevon und Quartär lagernten sich hier über 10.000m mächtige erdölführende Sedimentserien ab, die immer wieder epirogenetisch gehoben wurden.

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