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Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
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 up 1 Geologie, oder: Die Gesteinswelten Lateinamerikas
 up 1.3 Regionale Geologie
 up 1.3.1 Geologischer Aufbau Südamerikas
 up 1.3.1.3 Die Anden - ein kurzer Überbilck

1.3.1.3.5 Zentrale Anden

Impressionen Impressionen
Impressionen Impressionen

Es gibt viele Einteilungen der Anden. Folgt man der hier vorgestellten, dann reichen die Zentralanden vom Vulkan LLullaillaco in Nordchile, wo sich in Richtung Norden die Ost- und Westkordillere weit voneinander entfernen und den Altiplano Boliviano einschließen über den Nudo de Vilcanota, wo sie sich wieder annähern und nun einer längs-zertalten Gebirgslandschaft Platz machen nach Südecuador, wo beide Kordillerenstränge wieder etwas auseinandertreten und einer Serie von Becken Raum geben, die schon Alexander von Humboldt als Straße der Vulkane bezeichnete, bis zum Nudo de Pasto an der Grenze Ecuador-Kolumbien, wo nun plötzlich drei Kordillerenstränge sehr unterschiedlicher geologischer Struktur und Entstehung entspringen. Die Doppelgleisigkeit von West- und Ostkordillere ist demnach das bestimmende Kennzeichen der Zentralanden, die von Nord nach Süd wiederum klar in drei Teile (Ecuador, Peru bis Nudo de Vilcanota, Peru-Bolivien) gegliedert werden können.

Obwohl eine genaue strukturelle Abrenzung und Erkennung in der Morphologie oft nicht exakt möglich ist ergibt sich von West nach Ost ergibt sich folgende charakteristische Abfolge des inneren Baus:

Grafik: Querschnitt Anden

Die Zentral-Anden schließen den breitesten Teil der Anden mit etwa 900 km W-O-Erstreckung ein. Hier ist die größte Reliefenergie der Erde zu finden: innerhalb kurzer hurzontaler Distanz steigen die Anden von der Peru-Tiefseesenke (8000m u. d. M.) auf knapp 7000m (Vulkan Ojos de Salado) der Hochkordillere an. Einzelne morphologische Elemente der Anden, parallel zur N-S, bzw. NW-SO-Streichrichung angeordnet, lassen sich auch hier verfolgen, wenn auch nicht über die gesamte Länge hinweg. Obwohl eine genaue strukturelle Abrenzung und Erkennung in der Morphologie oft nicht exakt möglich ist ergibt sich von West nach Ost ergibt sich folgende charakteristische Abfolge des inneren Baus:

Küstenkordillere (Cordillera de la Costa)

In einigen Bereichen bildet die Küstenkordillere eine Steilküste und steilg unmittelbar bis 2500m empor. Die höchsten Erhebungen findet man in der Sierra Vicuña mit knapp über 3000m. Die Küstenkordillere wird aus einem präkambrischen metamorphen Sockel aufgebaut, der zwischen Mollendo und Arequipa auch an die Oberfläche treten kann. Gneise und Granulite aus diesem Gebiet sind mit 2 Mrd. Jahren die ältesten Gesteine der Anden überhaupt. Paläozoische Serien treten nur an isolierten Aufschlüssen an der chilensichen Küste zu Tage. Präkambrische und paläozoische Serien bilden den kristallinen Sockel der Präkordillere, der nur von einem wenig verformten Deckgebirge überlagert wird, das im gesamten Bereich von Störungen und Schwächezonen geprägt ist. An der Wende von Jura und Kreide setzte ein basaltischer-andesitischer Vulkanismus ein, dessen Gesteinspakete zum Teil von großer Mächtigkeit (über 10000m) sein können. Ein Großteil der Kordillere wird von riesigen Plutonen eingenommen, wobei vor allem Intrusionen im Jungpaläozoikum, im Jura und in der Kreide von Bedeutung sind. Der Küstenbatholith von Peru hat z.B. eine Länge von 1300 km.

Hochkordillere oder Westkordillere

Die Hochkordillere bildet das oberste Stockwerk der Anden. Hunderte von Gipfeln, meist Stratovulkane, mit knapp 7000m Höhe kennzeichnen das Landschaftsbild. Der innere Bau ist aber keineswegs einheitlich.

Den Grundstock bildet auch hier ein alter kristalliner Sockel, der aber kaum zu Tage tritt. Von 27°S Richtung Norden wird die Hochkordillere von mächtigen und weit verbreiteten känozoischen Vulkaniten verhüllt. Die vulkanische Tätigkeit dürfte etwa vor 25 Mio. Jahren begonnen haben. Hunderte Stratovulkane bilden die herausragendsten höchsten Bereiche, der hier auf etwa 4000m gelegene Sockel wird von etwa 200.000 km² Ignimbritdecken zugedeckt. Der Ojos del Salado (6880m) und der Llullaillaco (6723m) sind die höchsten Landvulkane der Erde. Die südperuanischen Gipfel erreichen im Ampato (6310m) und im Coropuna (6426m) immer noch beachtliche Höhen.

Puna (Argeninien) oder Altiplano (Bolivien)

Zwischen der Hoch- bzw. Westkordillere und der Ostkordillere liegt ein über 2000 km langes breites Senkungsfeld, das sich vom NW Argentiniens über Bolivien bis in den Süden Perus erstreckt. Im Känozoikum, als die Anden zum Hochgebirge herausgehoben wurden, blieb das Krustenstück des Puna-Altiplanoblocks grabenartig und sank rasch ab. Aufgefüllt wurde die Senke durch 14.000 m mächtige Sedimente der Oberkreide und des Teriärs, die den Vrogang des Absinkens gut dokumentieren. Die Hebung des gesamten Blocks auf seine heutige Höhe von 3500-4000m begann erst im Pliozän und dauert bis heute an. Das Erscheinungsbild wird von von großen Salaren und Salzseen beherrscht. Das Salar de Uyuni ist das größte in Südamerika, der Titicacasee der höchste schiffbare See der Erde. Durchsetzt wird die weite Hochebene von einem im Miozän einsetztenden Vulkanismus, der hohe Stratovulkane, wie den Sajama (6520m), oder den Queva (6130m) hervorbrachte.

Ostkordillere im Nordwesten Argentiniens

Die Ostkordillere setzt im argentinischen Tucumán ein, geht in Bolivien in die Cordillera Oriental, Cordillera Real, und in weiterer Folge in die Cordillera Oriental Perus über. Etwa auf der Breite von Lima endet die Ostkordillere.

Das wichtigste Bauelement sind 10.000 bis 15.000m mächtige paläozoische Sedimente, die sich einst in einem großen intramontanen Becken zwischen dem brasiliansichen Schild und dem präkambrischen Gebirge an der pazifischen Küste ablagerten. Es handelt sich großteils um Pelite und Psammite als marine Flachseeablagerungen, nur selten sind Karbonatische Ablagerungen gefunden worden.

Das Alter der Gesteine, alles in allem paläozoisch, ist im Detail unterschiedlich. Kambrische Elemente sind nur in Argentinien und Süd-Bolivien beobachtet worden. Besondere Mächtigkeit erreichen Ablagerungen aus dem Ordovizium und Devon, vor allem in Argentinien und Peru, durch zwei paläozoische Gebirgsbildungen geprägt, scharf gefaltet und leicht metamorphisiert wurden. Das jüngere Paläozoikum (Karbon, Perm) liegt in meist kontinentaler Fazies vor und liegt diskordant über dem Altpaläozoikum. Der Prä-Paläozoische, proterozosiche Sockel tritt nur in einzelnen Aufschlüssen Argentiniens und Perus in Form von Phylliten und Glimmerschiefern zu Tage.

Ein zweites Bauelement sind Tiefengesteine unterschiedlichen Alters.Besonders in Peru sind paläozoische Intrusiva und Extrusiva von Bedeutung, wo während einer jungpaläozioschen Dehnungsphase der Kruste 1.000 km lange Magmatite (Granite, Ignimbrite) produziert wurden. In den paläozosichen Mantel der Cordillera Real Boliviens drangen im vom Mesozoikum bis ins Tertiär Plutone ein. Sie wurden durch Erosion freigelegt und bilden heute den imposanten Gipfelbereich des Illampu (6.550m) und des Illimani (6.439m).

In Argentinien hat sich in einigen Bereichen über dem paläozoischen Sockel ein bis zu 5.000m mächtiger Aufbau aus kontinentalen Rotsedimenten der Oberkreide und des Tertiärs gebildet.

Die peruanische Cordillera Blanca ist eines der Paradiese der Extrembergsteiger in Lateinamerika. Sie wird aus Schiefer und Psammiten des Oberkarbons und der Kreide aufgebaut. Durchbrochen wird diese Serie durch das Tiefengestein des Huascarán-Massivs (6778m). In Peru bilden die Anden morphologisch einen mächtigen Gebirgsbereich dar, erst in Ecuador ist die Kordillere durch eine Depression deutlich untergliedert. Weiter nördlich in Kolumbien ist eine weitere Auffächerung in drei eigenständige Gebirgsregionen zu erkennen.

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Nordperu

In Zentral- und Nordperu unterscheidet man im Groben zwischen einer Westkordillere und einer Ostkordillere. Die Westkordillere ist in mehrere Jura- und Kreideserien untergliedert, bestehend aus Vulkaniten, Volkanoklasten und Sedimenten. Seit der Mittelkreide intrudiert in diese Komplexe Gesteinsformation in einzelnen Schüben ein Küstenbatholith. Die Gebirgsbereiche werden von diesem Plutonit geprägt. Im Gegensatz zu südlich und nördlich gelegenen Andenteilen wurde die Westkordillere zwischen Mesozoikum und Tertiär intensiv gefaltet. Schuppenstrukturen, Aufschiebungen und für die Anden eher ungeföhnliche Überschiebungen verleihen dem Gebirgszug einen komplizierten Aufbau.

Die Ostkordillere hat ebenfalls eine Besonderheit zu bieten. Hier treten präkambrische und paläozische Schiefer zu Tage, die während paläozoische Gebirgsbildugsphasen stark verformt und durch Intrusionen ergänzt wurden. Die Bildung kontinentaler Rotsedimente und Vulkanite zwischen Oberkreide und Pliozän verjüngten die Ostkordillere.

Nach Osten schließt eine subandine Zone die Anden ab. Sie besteht aus drei verschiedenen Elementen, allesamt aufgebaut aus mesozoischen und känozoischen Gesteinen.

Ecuador

Ecuador in seiner gesamten Längsausdehnung von zwei Gebirgssträngen durchzogen, der Westkordillere und der Ostkordillere. Getrennt werden sie durch eine grabenartige innerandine Senke, wo sich auch die Hauptstadt Quito befindet. Zwischen pazifischer Küste und der Westkordillere liegt ein weites Küstentiefland und der Golf von Guayaquil. Der breite Küstenstreifen besteht aus erdölführenden mächtigen Sedimentpaketen, die zwischen Kreide und Tertiär abgelagert wurden. Eine tektonische Besonderheit stellt die Cordillera de Chogon-Colonche dar. Im Gegensatz zu den stetig N-S-streichendnen Andenketten, verläuft dieser Höhenbereich (nicht höher als 700m) in WNW-ESE-Richtung.

Die Westkordillere besteht aus kreidezeitlichen basaltischen Vulkaniten und Peliten, deren Mächtigkeit einige 1.000m erreicht. Zwischen Oberkreide und Tertiär wurde diese Gesteinsserie mehrfach gefaltet. Gegen Osten hin sind flyschartige Sedimente der Oberkreide zu finden, bedeckt von Sedimenten des Tertiärs. Beide Serien sind durch junge tektonsiche Bewegungen ebenfalls tektonisch beansprucht und scharf gefaltet.

Während der gebirgsbildenden Phase im Tertiär entstand auch die grabenartige Senke von Quito. Die heutige Oberfläche liegt auf einer Höhe von 2.500 - 3.000m. Die Senke ist mit mächtigen pyroklastischen Lagen aufgefüllt. Dazwischen geschaltet sind glazigene Lahar-Ablagerungen. Im Tertiär setzt eine intensive vulkanische Aktivität ein. Im Beckenbereich bauten sich mächtige Vulkane auf, wie etwa der Chimborazo (6.310m) oder der Cotopaxi (5.897m) bei Ouito.

Die Ostkordillere durchzieht mit 650 km fast das gesamte Land und ist fast ausschließlich aus uralten metamorphen Gesteinen aufgebaut. Das Gesteinspektrum reicht dabei von hochgradig metamorphen Gneisen, Migmatiten des Präkambriums, bis zu Otho- und Paragneise, Grünschiefer und den schwach metamorphen Phylliten. Die jüngsten Gesteine entstammen dem Paläozoikum. Einzelne Granitintrusionen am Ostrand wurden in Oberjura und Tertiär eingeordnet.

Die subandine Zone entwickelte sich in einer weiten Snkungszone zwischen brasiliansichen Schild und Kordillere. Zwsichen Oberdevon und Quartär lagernten sich hier über 10.000m mächtige erdölführende Sedimentserien ab, die immer wieder epirogenetisch gehoben wurden.

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