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Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
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 up 1 Geologie, oder: Die Gesteinswelten Lateinamerikas
 up 1.3 Regionale Geologie
 up 1.3.1 Geologischer Aufbau Südamerikas
 up 1.3.1.3 Die Anden - ein kurzer Überbilck

1.3.1.3.3 Südanden

Die Südanden bestehen in West-Ost-Richtung aus drei morphologsichen Elementen, die freilich nicht überall in gleicher Weise ausgebildet sind. In idealtypischer Abfolge lassen sie sich in Mittelchile verfolgen:

  • die Küstenkordillere
  • das große, sog. "Längstal", ein tektonisch angelegter Graben, also kein "Tal"
  • die Hochkordillere
Die Küstenkordillere isgehört also zu den alten Bestandteilen (präkambrisch und paläozoisch) des Kontinents. Morphologisch begann ihre Herausbildung zur heutigen Form erst im Känozoikum, als sie horstartig herausgehoben und gekippt wurde. Heute ist sie im Gipfelniveau teils eingerumft oder gar abgetragen, obwohl sie noch Höhen von über 3000 m erreichen kann. Von ihrer historisch-geologischen Struktur ist die ein Relikt des Gondwana-Kontinentes, das in den Bau der Anden intensiv mit einbezogen wurde, von der Lithologie her sich allerdings deutlich von typisch andinen Gesteinen unterscheidet.

Das Grundgebirge wurde teilweise mit einbezigen und besteht aus niedriggradig metamorphen Gesteinen, wie Phylliten, Glimmerschiefern, erst nach Osten hin kommen höhergadig metamorphe Gesteine (Gneise) vor. Bereits im Paläozoikum wurde diese Einheit metamorphisiert.

Weiter nach Norden bestimmen neben den paläozoischen Serien jungpaläozoische Plutone die Geologie, zum Teil, etwa im Bereich von Concepción, in Verbindung mit tertiären Kohleschichten.

Bis 47° südl. Br. ist die Morphologie durch eine Vielzahl von Fjorden und Inseln gekennzeichnet. Die pleistozäne und auch noch rezente Vergletscherung ist hier wichtigstes landschaftsprägendes Element. Die Aubflussbahnen der Gletscher richten und richteten sich natürlich nach den tektonischen Strukturen, die dadruch eine abermalige Akzentuierung erfuhren.

Das Längstal ist ab 47° südl. Br. deutlich ausgeprägt und bis Santiago de Chile 1100 km zu verfolgen. Man ist sich heute noch uneinig, ob es sich um einen bloßen tektonischen Graben, oder um einen kontinentalen Grabenbruch, im Sinne des ostafrikanischen Bruchsystems, handelt. Die Grabenzone ist im Inneren nicht einheitlich. So konnte man im Süden bei Puerto Montt eine känozoische Aufsedimentierung von über 4000 m feststellen, im nördlichen Bereich nahe Santiago ist sie nur mehr 500 m mächtig. Seit dem Plio-/Pleistozän entwickelten sich die einzelnen Elemente der Südanden tektonisch in unterschiedlicher Weise: bei Santiago liegt die Grabensohle bei 500 m, während die Hauptkordillere bis über 5000 m anstieg und die Küstenkordillere 1500 m gehoben wurde.Das Längstal löst sich ab 51° südl. Breite nach Süden auf.

Die Hauptkordillere ist weit höher als die Küstenkordillere. Zentrales geologisch und morphologisches Element sind hunderte Stratovulkane, aufgebaut aus andesitischer bis basaltischer Lava, die nach Norden hin immer mächtigere Höhen erreichen (Vulkan Tupungato, 6800 m) .

Im südlichen Teil entwickelten sich über jurassischen, sauren bis intermediären Vulkaniten junge vulkanoklastische Gesteinsserien, weiter nach Osten konnte sich in der Kreide ein 7000 m mächtiges Sedimentpaket ablagern, bestehend aus Flysch, Peliten, Psammiten, Konglomeraten und Kalken. Die Sedimente sind nur wenig gefaltet, und gehen nach Osten in eine kaum verfaltete Vortiefe über. Im fühen Tertiär intrudierten Plutone, die heute als markante Gebirgsteile herausragen (Balmaceda-Gruppe, Cerro Torre). Zwischen 51° und 47° ist paläozoisches Grundgebirge aufgeschlossen, scharf gefaltet und nur von geringmächtigen Deckschichten umgeben. Im Norden schließen jurassische Plutone an, dann folgen marine und kontinentale Ablagerungen sowie mächtige andesitische und rhyolithische vulkanische Serien, immer wieder unterbrochen von pyrklastischen Produkten. Isgesamt erreicht diese jurassische bis in Alttertiär reichende Abfolge eine Mächtigkeit von 8000m.

Cordillera Frontal und Präkordillere im Nordwesten Argentiniens

Von 36° ist 27°S ist der Präkordillere im Osten und der Hochkordillere im Westen ein weiterer Gebirgszug zwischen geschaltet. Die 800 km lange und bis zu 5.000 m hohe Cordillera Frontal wird aus einem paläozoischen Faltengebirge aufgebaut. Auf einer präkambrischen Basis folgt devonischer Flysch, marine Sedimente des Karbons und Perms, sowie saurer bis intermediärer Vulkanismus des Permotrias. Den Abschluss bilden känoziosche kontinentale Sedimente.

Die Präkordillere schließt östlich an die Cordillera Frontal an. Sie bildet in den argentinischen Provinzen Mendoza, San Juan und La Rioja einen eigenen Gebirgsstrang. Anders als in der Cordillera Frontal folgen hier auf einem präkambrischen Sockel marine Serien des Kambriums, Ordoviziums, Silurs und Unterdevons. Oberdevon liegt in kontinentaler, Karbon in mariner und kontinentaler, das Perm schließlich besteht aus kontinentaler Fazies.

Faltungsvorgänge im Paläozän und andine tektonsiche Aktivitäten zergliederten die Präkordillere in schmale Antiklinen und Synklinen, vereinzelt drangen Intrusivgesteine (Ordivizium, Jungpaläozän) und Vulkanite (Perm bis Trias - sauer; Tertiär - basisch) in den Sedimentkörper ein.

Pampine Sierren im Nordwesten Argentiniens

Die Pampinen Sierren nehmen eine Zwischenstellung zwischen den alten Kratonen Südamerikas und den jungen Andenketten ein. Ihr morphlogisches Antlitz entspricht dem eines jungen Hochgebirges, das Alter der zu Tage tretenden Gesteine entspricht den alten Kratonen. Es handelt sich um uralte, proterozoisch-paläozoische Gebirge, die im Zuge der tektonischen Geschehnisse rund um die Andengenese im Pliozän und Pleistozän in eine groß angelegte Horst-Graben-Struktur umgewandelt wurde. Heute stehen die tektonischen Horste als Gebirgsbereiche isoliert da und können mitunter mächtige Höhen erreichen (Sierra de Famatina, 6250m; Sierra de Velasco, über 4500m). Umgeben sind sie von weiten Senkungszonen, die von jungen Sedimenten aufgefüllt werden. Man bezeichnet sie, je nach Form, als Bolsónes, Valles oder Campos.

Im Inneren bestehen die Pampinen Sierren (Sierras Pampeanas) aus jungproterozoischen bis altpaläozoischen Glimmerschiefern, Phylliten und Hornfelsen. In diese starren Strukturen sind Granodiorite und Tonalite eingedrungen. Es entstanden Migmatite und Pegmatite. Hinzu kommen zudem zahlreiche Sedimentserien. Eine 3000m mächtige kontinentale Jungpaläozoische Serie mit Glossopteris-Flora (Beweis für die Westgrenze der Gondwana-Serien) wird überlagert von 1000m kontinentalen triassischen Rotsedimenten (Talampaya), dazu 2000 - 3000m tertiären Konglomeraten und Sandsteinen, sowie roten bis gelben Peliten, Oolithkalken und vulkanischen Tuffen. Damit nicht genug kommen örtlich noch basaltische bis andesitische Vulkanite hinzu.

Sierras Subandinas (Andenvorland)

Als Andenvorland fungieren die Subandinen Sierren, die die zentralen Anden im gesamten Bereich zwischen Argentinien und Peru 1500 km lang zum östlichen Tiefland hin abgrenzen. Beträgt die durchschnittliche Breite etwa 100 km, so kann sie örtlich, wie in Mittel und Nordperu, auch mächtiger sein. Von Osten her steigen die Subandinen Sierren flach an und münden im Westen in einem sanften Hügelland. Das Streichen folgt den Andenketten.

Wie auch im Falle der Cordillera Frontal und der Präkordillere Argentiniens liegt ein paläozoischer Sockel zu Grunde, wird hier allerdings von sehr jungen Sedimenten (Kreide bis Tertiär) überlagert, die in einem System schmaler Antiklinen und Synklinen vorliegen. In Bolivien und Peru erriechen die Sedimente eine Mächtigkeit von ungefähr 10.000m. Weiters prägen präandine Seitenverschiebungen und tektonsiche Lineamente, die die jüngeren Strukturen durchbrechen und ostvergente Falten das Erscheinungsbild. Im Osten tauchen die Falten unter die weiten Akkumulationsebenen der Pama und des Chaco unter. Die Anden finden ihren Abschluß.

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