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Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
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 up 2 Geomorphologie, oder: Das Relief Lateinamerikas
 up 2.2 Regionale (Struktur-)Geomorphologie

2.2.1 Strukturmorphologische Großformen

Im Großen und Ganzen lassen sich in Lateinamerika drei morphostrukturelle Einheiten unterscheiden: es sind dies die alten Gebiete des Urkontinents (Schilde oder Kratone genannt) mit ihren Altflächen, die aus dem Erdmittelalter oder der Erdneuzeit stammenden magmatischen oder Sedimentgesteine der Kordilleren mit den jungen Formen rezenter Gebirgsbildung und die ganz jungen Lockergesteine, die als fluviale Sedimente die Tiefländer bedecken

Unterschiedliche Typen von Landmassen

Die Schilde sind die ältesten an der Erdoberfläche zugänglichen Teile Lateinamerikas und bestehen aus präkambrischen kristallinen Gesteinen, die häufig im Untergrund präkambrischer Faltengebirge entstanden und seitdem nahezu ständig der Abtragung ausgesetzt sind. Das uralte Gestein liegt bei entblößten Schilden an der Erdoberfläche, und bei bedeckten Schilden unter einer meist geringmächtigen Schicht von Sedimenten oder jungen vulkanischen Decken begraben. Die alten Schilde sind im Hochland von Guayana und im Brasilianischen Schild zu finden

Morphologisch sind die Schilde als Mittelgebirgslandschaften zu kennzeichnen. Neben den kristallinen Mittelgebirgen, in Europa etwa der Harz, das Rheinische Schiefergebirge oder das Mühl- und Waldviertel, gibt es aber noch zwei weitere Grundtypen des Mittelgebirges, nämlich die Schichtstufen- und Tafelländer, deren Gesteine meist aus dem Mesozoikum stammen (in Europa etwa die Schwäbische und Fränkische Alb, das lothringische Schichtstufenland, die North und South Downs in Südwestengland oder die Causses in Südfrankreich), sowie die vulkanogenen Mittelgebirge, oft jüngerer, d.h. neozoischer Entstehung (in Europa die Eifel, der Habichtswald, das Siebengebirge oder die Puys im französischen Zentralmassiv). Auch in Lateinamerika gibt es solche Mittelgebirgslandschaften, die jünger als die alten Schilde sind. Es sind dies einerseits die sedimentäre Plateaus, Tafel- und Schichtstufenländer, die durch den Wechsel zwischen weitgespannten Ebenheiten und Steilhängen charakterisiert sind. Strukturmorphologen erklären die Schichtstufen aus der charakeristischen Abfolge weicher und harter Gesteinspakete. Obwohl eine solche Erklärung in der Schichtstufentheorie längst widerlegt ist, muss freilich konzidiert werden, dass ohne diese Wechsellagerung Rumpfflächen entstehen würden. Mortensen spricht daher auch von „Austauschlandschaften“. In Wahrheit sind die Landterrassen auf den harten Gesteinspaketen keine Schichtflächen, sondern Kappungsflächen, sie unterliegen daher den gleichen Entstehungsbedingungen wie Rumpfflächen.

In Patagonien bildeten sich echte Schichttafelländer, denen Zeugenberge vorgelagert sind. Derartige Mesas und Zeugenberge bilden sich bei ungestörter horizontaler Lagerung

Vulkanische Plateaus sind Gebiete großer Deckenergüsse, deren Tätigkeit lang genug anhielt, um Mächtigkeiten über 1000 m und mehr zu schaffen. Ihnen verdanken wir die vielleicht großartigsten Wasserfälle der Erde: die Iguacú-Fälle im Grenzgebiet zwischen Argentinien und Brasilien. Sie entstanden auf den großen kreidezeitlichen Plateaubasaltdecken des Paraná-Gebietes. Im Unterschied zu sedimentären Plateaus, die aus unterschiedlich widerstandsfähigen Gesteinen aufgebaut sind, bestehen vulkanische Plateaus aus Lavadecken mit annährend gleicher Widerstandsfähigkeit, die eventuell von Tufflagen unterbrochen sein können. Die Oberflächengestaltung ist daher weniger differenziert, als auf sedimentären Plateaus.

Die Gebirge Lateinamerikas gehören zu den faszinierendsten Landschaften der Erde und zeigen eine ungeheure Vielfalt in ihrem Erscheinungsbild. Überwältigend wirken manche tiefe Schluchten und Täler, dennoch wirkt es manchmal fast enttäuschend, wenn die Landschaft selbst auf 4500 m Höhe einem Mittelgebirge, freilich mit gigantischen Dimensionen gleicht.

Während es in Europa durchaus auch alte Faltengebirge gibt (Skanden, schottische Highlands), sind die jungen FaltengebirgeLateinamerikas erst während des Tertiärs als morphostrukturelle Einheiten entstanden. Alt sind dagegen die den mittleren und südlichen Anden vorgelagerten Pampinen Sierren. Dies sind alte kratonische Bruchschollen, die durch junge tektonische Aktivitäten aktiviert wurden.

Sedimentäre Ebenen und Tiefländer können in Lateinamerika sehr vielgestaltig sein. Sie bilden entweder Küstenebenen, breite Flussmündungen oder große Binnensenken, wie etwa Amazonien, das Río de la Plata- oder die Llanos des Orinoccos.

Große junge Vulkangebiete gehören in Lateinamerika, von den Trappdecken einmal abgesehen, zu den Hochgebirgen. Wegen ihrer morphologische Eigenständigkeit, ihrer besonderen Entstehungsbedingungen und ihrer formalen Charakteristika können sie aber innerhalb dieser gesondert betrachtet werden. Zu erwähnen sind an dieser Stelle auch die Galápagos-Inseln und die ebenfalls noch Lateinamerika zuzurechnende Osterinsel, die mitten im Pazifischen Ozean als Vulkaninseln herausragen.

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