Tektonik ist die Lehre von den Kräften des Erdinneren. Lange Zeit konnten nur die durch solche Kräfte ausgelösten Prozesse analysiert werden. Man unterschied folgerichtig Vorgänge des Zerbrechens (auch als "germanotype Tektonik" bezeichnet) oder des Verbiegens und Faltens ("alpinotype Tektonik") bzw. Prozesse, die durch magmatische Bewegungen (vulkanische Tektonik) oder Verformungen zähplastischen Substrats (Salz- und Eistektonik) hervorgerufen wurden. Alle Ereignisse, die zu Erschütterungen der Erdoberfläche führen, werden seismische Prozesse genannt und von der Seismik untersucht. Seismische Vorgänge können aber auch durch den Menschen hervorgerufen werden, sind dann also nicht wirklich tektonischen Ursprungs.
Nach den Erkenntnissen der Kontinentalverschiebungstheorie Alfred Wegeners und der auf dieser Grundlage 50 Jahre später entstandenen Lehre von der Plattentektonik haben wir heute ein komplexeres Bild der Ursachen tektonischer Vorgängen. Demnach wissen wir nun, das die Gesteinshülle der Erde (die sog. Lithosphäre) kein homogener, starrer Körper ist. Sie besteht im Gegenteil aus verschiedenen, teils ozeanischen, teils kontinentalen Platten unterschiedlicher Mächtigkeit und verschiedener spezifischer Gewichte, die sich in allen möglichen Richtungen aufeinander zu oder voneinander weg, oder auch einfach nur aneinander vorbei bewegen. Die durch die Bewegung der Platten bzw. die an ihren Grenzen stattfindenden Prozesse werden Plattentektonik genannt.
Im Lateinamerikanischen Raum sind eine Vielzahl von Platten am Aufbau der Kruste beteiligt. Neben der großen Südamerikanischen Kontinentalplatte sind dies die ozeanischen Nazca- und Cocos-Platten, sowie die Karibische Platte. |