Logo
Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
Home
Sitemap
Vorherige
Nächste
 up 5 Biodiversität in Lateinamerika
 up 5.5 Kulturpflanzen in Lateinamerika
 up 5.5.1 Endemische oder autochtone Kulturpflanzen

5.5.1.4 Faser- und Textilfpflanzen

Häufig sind Koka und Bolivien zwei Wörter, die sofort Assoziationen zum Thema Drogen hervorrufen – gemeint ist in diesem Zusammenhang immer das Kokain, oft genug verwechselt oder gleichgesetzt mit Koka. Wenig Beachtung findet allerdings die vielfältige Bedeutung und ihre komplexe kulturelle Funktion. Die aktuelle Kokainwelle ist dagegen nur als Ausschnitt zu betrachten.

Der Koka-Strauch trägt looberartige Blätter mit kleinen weiß-gelben Blüten. Von den rund 250 verschiedenen Arten werden in Lateinamerika im wesentlichen zwei kultiviert (Erythroxylum novogratenese und E. cocalam). Zwar kommt dem E. cocalam (auch Coca Boliviana) wirtschaftlich die größte Bedeutung zu, die E. novogratenese steht aufgrund ihres höheren Kokaingehaltes im tropischen Tiefland des Chapare an erster Stelle.

Ein Koka-Strauch kann etwa 15-30 Jahre alt werden und seine Blätter können drei bis fünf mal geerntet werden. Verwendent werden sie freilich wegen ihres bekanntesten Alkaloids, dem Kokain, das zu 0,36 bis 2,4% in den Blättern enthalten ist. Weniger bekannt ist der Gehalt von 13 weiteren Alkaloiden, aromatischen Stoffen, ätherischen Ölen, Mineralien und Vitaminen. Angeblich deckt der Konsum von nur 60 g Koka-Blättern zwei Drittel des Tagesbedarfes an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen.

Der natürliche Standort der Anbaugebiete liegt zwischen 500 und 2000 m Seehöhe mit feuchtwarmen Klima, regelmäßig verteilten Niederschlägen und ausgeglichenen Temperaturen zwischen 15 und 20 °C im Jahresschnitt. Diese Bedingungen finden sich vor allem an den Osthängen der Anden, wie zum Beispiel den Yungas in Bolivien und Teilen des Randes des Amazonasbeckens.

Die häufigste Form des Koka-Gebrauches ist das Kauen. Die Blätter werden zusammen mit einem alkalischen Reagenz (Kalk oder Gemüseasche) gekaut. Ist der picchú, der Kokaklumpen der beim Kauen entsteht, groß genug, wird er nur mehr im Mund hin und her geschoben. Auch Mate de Coca (Koka-Tee) wird in Bolivien überall angeboten.

Die Frage, warum die Indios Koka kauen, hatte schon die Spanier bei ihrer Ankunft in Bolivien beschäftigt, hätten sie doch kaum Hunger, aber großen Mut und Kraft gehabt. Erst duch die chemische Isolierung des Alkaloids Kokain konnte 1859 der anästhesierende und stimulierende Charakter der Pflanze erklärt werden. Neben der einsetztenden körperlichen Beeinflussung, ist vielmehr die Symbolik, auch in magisch-religiösen Assoziationen, des Kauens von Bedeutung und wird in vielerlei Hinsicht als Stärkungsmittel verwendet. Koka soll nicht nur hunger- durst- und schmerzstillende Wirkung haben, sondern auch eine gewisse Resistenz gegen Kälte und Müdigkeit bewirken. Zumindest scheint es die harten Arbeitsbedingungen der Camesinos und Mineros etwas zu mildern. Jedem durch die Andenländer Reisenden sind Koka-Blätter ein Begriff, werden sie doch an jeder Ecke angeboten.

 down 5.5.1.4.1 Agave
 down 5.5.1.4.2 Baumwolle
 down 5.5.1.4.3 Kapokbaum
 down 5.5.1.4.4 Tomate und Kartoffel
Hilfe Seitenanfang
Home Sitemap Suche Bilder Vorherige Nächste

Letzte Aktualisierung dieser Seite:
Öffne externe Links in neuem Fenster?

© Copyright "Lateinamerika-Studien Online"