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Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
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 up 5 Biodiversität in Lateinamerika
 up 5.4 Biodiversität Lateinamerikas - eine ungeheure Artenvielfalt
 up 5.4.1 Die tropischen Regenwälder Lateinamerikas

5.4.1.6 Mangrove-Wälder - ein sensibles Ökosystem

Das Hauptverbreitungsgebiet der Mangroven in Lateinamerika sind die Innertropen (N-Küste Kolumbiens, Mündung des Amazonas, Teile der brasilianische SO-Küste). Bevorzugte Verbreitungsgebiete sind vor kräftiger Wasserbewegung geschützte Buchten oder Lagunen, hinter Sandbänken und Landzungen, entlang sedimentreicher Ströme, in Ästuaren und Deltas sowie an Küsten.

Rote Mangrove

Die Mangrove verträgt keinen Frost und ist an warmes Wasser gebunden. Ihr Verbreitungsgebiet sind daher die warmen Küsten Lateinamerikas , in Südamerika die Atlantischen Küste bis etwa 28° südl. Breite, die Pazifikküste hingegen nur bis 4° südl. Breite – der kalte Humboldtstrom verhindert dort eine weitere Ausbreitung nach Süden.

Die Mangrove verlangt Brackwasser (teils salziges, teils süßes Wasser). Entlang der großen Flussläufe (z.B. Amazonas) dringen Mangrovenwälder nur soweit ins Landesinnere vor, wie der Unterstrom an salzigem oder brackigem Wasser reicht. Sie sind daher obligate Halophyten. Die Mangrove besiedelt zwar bereits festes Land, beschleunigt allerdings den Prozess des Landzuwachses beträchtlich. Diese Eigenschaft kann dazu führen, dass sich ein neuer Küstenstreifen bildet und parallele Mangrovengürtel sich kilometerweit ins Land hinein erstrecken. Gezeitenmäßig schwankt der Wasserspiegel stark. Bei Flut ragen nur die Baumkronen aus dem Wasser, bei Niedrigwasser ist der Boden frei zugänglich. Mangrovenküsten sind also tropische Marschenküsten und entsprechen dem Küstentyp der vorrückenden, aufgebauten Küste.Als Pioniervegetation verankern sich ihre stelzartigen, undurchdringlichen Wurzelsysteme im weichen Schlick. Bei auf- und ablaufenden Gezeiten verfängt sich der Schlick in den Wurzelsystemen. Bei Ebbe bezeichnet eine horizontale Linie aus grünem Blattwerk den Wasserhöchststand. Die Bäume und Sträucher bilden Atemwurzeln aus, die entweder als Stelzwurzeln, oder als spargelförmig herausragende Luftwurzeln ausgebildet sind.

Grafik: Querschnitt durch die Mangrovenzone

Die Leitarten gehören den Gattungen Rhizophora, Avicennia, Laguncularia und Sonneratia an. Sie können bis zu 12 m hoch werden. Neben dem Mangrovenwald gibt es auch Gebüsche mit einer Höhe von 2-3 m. Eine Bodenvegetation fehlt zur Gänze, auch Epiphyten sind kaum zu finden.

Durch die Standortgebundenheit an brackischem, seichtem Wasser sind Mangrovenwälder extrem sensible Ökosysteme. Durch den Eingriff des Menschen wurde vielerorts ein einmaliger Lebensraum, Grundlage für zahlreiche endemische Arten, für immer zerstört. Es sind insbesondere die großen Landgewinnungsprojekte der Holländer in Surinam, in historischer Zeit auch in Guyane, die die größen zusammenhängenden Mangrovenwälder Südamerikas für immer vernichtet und die ehemaligen Wattflächen nach Eindeichung außerordentlich furchtbare Reis- und Zuckerrohrplantagen verwandelt haben.

Für Mangroven ist zwar warmes Wasser lebensnotwendig, sie können aber unterschiedliche Salzgehalte ertragen. Sie tragen essbare Früchte, deren Samen die ungewöhnliche Eigenschaft haben, schon Wurzeln zu schlagen, wenn die Frucht noch am Baum hängt (sie sind vivipar). Wenn diese Wurzeln den Boden erreichen, können die Früchte austreiben, bevor sie von der Mutterpflanze getrennt werden. Die Kronen der Mangroven bieten Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren. Der Vogelreichtum ist vielfach überwältigend. Ein Teil der Tierwelt ist entweder nur bei Flut oder bei Ebbe aktiv. Viele jedoch dauernd. Alles in allem ist es eine reiche und bunte amphibische Lebensgemeinschaft.

Mangroven können nur in brackischen Wasser überleben, da sie im Zellsaft viel Kochsalz aufnehmen und speichern – sie sind also blattsukkulent. Das Salz wird wieder ausgeschieden und vom Regenwasser abgespült, oder erst mit altem Laub abgeworfen. Die verschiedenen Mangrovenarten sind in bestimmter Weise zoniert, in Abhängigkeit von der Höhe der Überschwemmung, des Salzgehaltes des Wassers und der Klimazone (in regenärmeren Randtropen ist der Salzgehalt im Wasser höher, im Äquatorialbereich hingegen nicht).

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