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Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
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 up 5 Biodiversität in Lateinamerika
 up 5.4 Biodiversität Lateinamerikas - eine ungeheure Artenvielfalt

5.4.1 Die tropischen Regenwälder Lateinamerikas

Regenwald von Guyana

Der tropische Regenwaldist die feuchteste Vegetationszone der Erde. Kein Monat bleibt unter 100 mm Regen, die Jahressumme der Niederschläge beträgt zwischen 2000 und 6000 mm. Der echte Regenwald reicht nicht über 1000 m Seehöhe hinaus. Manche Arten sind sogar noch „höhenempfindlicher“. So wird der kostbare Mahagoni nicht mehr über 200 m über dem Meer angetroffen. Nach oben hin geht die Hyläain den etwas artenärmeren, kühleren, aber mindestens ebenso feuchten tropischen Bergwald über. Er ist, wie der Regenwald, in Stockwerke gegliedert, weder das geschlossene Kronendach, noch die darüber hinaus ragenden Einzelwipfel erreichen freilich die Rekordmarken des Tieflandwaldes.Den oberen Bergwaldsaum bildet der Nebelwald , die Augenbraue des Waldes (ceja de la montaña).

Tropische Regenwälder bedecken zur Zeit knapp über 10,4 Millionen km², etwa 7,4 % der Erdoberfläche, dabei werden in der Regel die Bergwälder eingerechnet. Allein sechs Millionen Quadratkilometer entfallen auf das Gebiet des Amazonasbeckens (Hyläa). Während die meisten Wälder sich nach der quartären Eiszeit entwickelten, hat der äquatoriale Regenwald seinen Ursprung bereits im Tertiär und überstand die Klimaschwankungen des Eiszeitalters im klimastabilen Raum der inneren Tropen unbeschadet – bis der Mensch kam. Die tropischen Regenwälder schrumpfen unter der Hand des Menschen sehr schnell. Allein in historischer Zeit wurden 37 % (!) des einstigen Bestandes der südamerikanischen Regenwälder vernichtet.

Der Tieflandregenwald setzt sich aus einem dreistufigen Baumstockwerk zusammen, mit einer zusätzlichen Strauch- und Bodenvegetationsschicht.

Palme mit Stelzwurzeln

Meistens sind aber einzelne Stockwerke nicht klar ausgebildet, für den Laien entsteht von außen der Eindruck einer grünen Mauer. Die standortökologischen Unterschiede zwischen den Stockwerken sind jedoch erheblich. Pflanzen des untersten Stockwerkes müssen mit extrem wenig Licht auskommen (nur etwa 2-3% des Tageslichtes erreichen den Urwaldboden), dort herrscht das ganze Jahr über die gleiche Luftfeuchte (100 %), die gleiche Temperatur (je nach Lage zwischen 23° und 27°C) und immer Windstille, während im obersten Stockwerk beachtliche Tagesschwankungen in Temperatur und Feuchte auftreten können und noch dazu ziemlich kräftiger Wind wehen kann.

Die Artenzahl der tropischen Bäume ist gewaltig. Allein im Amazonasgebiet schätzt man 3000 Baumarten (in Mitteleuropas Wäldern sind etwa 50 Baumarten heimisch), vermutlich sind manche bisher noch unentdeckt. Wegen der gleichbleibenden Klimabedingungen entwickeln tropische Bäume keine Jahresringe. Die Wipfel der höchsten Urwaldriesen erreichen 40-60 m. Gerade diese haben oft 2-3 m dicke „Brettwurzeln“, die für für die Standfestigkeit von tropischen Stürmen und Gewittern umtosten Kronen sorgen. Dies ist auch deshalb nötig, weil der Boden zwar tiefgründig ist, in ihm aber keine Nährstoffe gespeichert sind. Alle lebensnotwendigen Minerale befinden sich in der allerobersten Rohhumusschicht und werden von den Wurzelpilzen der Pflanze aufgeschlossen. Deswegen haben auch die höchsten Baumriesen nur flache Wurzeln und müssen, statt sich tief im Boden festzukrallen, sich mit Brettwurzeln abstützen. Derartige Gebilde sind aber nicht die einzigen Strategien, im Kampf um Standfestigkeit einerseits und um Nährstoffe andererseits zu überleben. Andere Bäume bilden Stelzwurzeln aus, weitere verankern sich mit den Ausläufern der Luftwurzeln im Boden, wobei sie teilweise große Areale der für sie wichtigen Humusschicht „abgrasen“ können.

 down 5.4.1.1 Der Stockwerkbau des tropischen Regenwaldes
 down 5.4.1.2 Einige Überlebensstratiegien
 down 5.4.1.3 Das Amazonasbecken
 down 5.4.1.4 Regenwald der pazifischen Küste
 down 5.4.1.5 Regenwald der brasilianischen Küste
 down 5.4.1.6 Mangrove-Wälder - ein sensibles Ökosystem
 down 5.4.1.7 Korallenriffküsten
 down 5.4.1.8 Die Gebirgsregenwälder
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