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Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
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3.4.2 Gletschertypen

Gletscher kann man nach verschiedenen Kriterien klassifizieren. Einige davon werden im Folgenden vorgestellt.

Nach der Größe unterscheiden wir die weitflächigen intramontanen Rahmenvereisungen der patagonischen Kordillere (14000 bzw. 10000 km² Fläche). Sie werden in der älteren Literatur – und immer noch in den topographischen Karten Chiles – als „Inlandeisfelder“ bezeichnet, sind jedoch mit dem grönländischen Inlandeis in keiner Weise zu vergleichen. Alle anderen Gletscher der lateinamerikanischen Kordilleren sind der Größe nach als mittlere und kleine Gletscher zu bezeichnen, Plateaugletscher gibt es nicht. Die Größe, darauf sei hingewiesen, ist aber kein primäres, sondern nur ein sekundäre Unterscheidungskriterium.

Gletscher können unterschiedliche Formen aufweisen. Talgletscher haben ein weites, beckenförmiges Nährgebiet und eine schmalere konvexe Gletscherzunge im Zehrgebiet. Sie sind vor allem in den südlichen Anden verbreitet. Dort findet man auch Kargletscher, oft Reste einer früher weiter ausgedehnten Talvergletscherung. Eine eigentümliche Form vieler Andengipfel, insbesondere natürlich der Vulkane, ist die Gipfelvergletscherung. Bei diesem Typus ist der Gipfel vollständig von Eis bedeckt "Eishaube"), im Unterschied etwa zu den Alpen, wo die Gipfel als Nunatakker (eisfreie Grate) ausgebildet sind und die Gletscher erst unterhalb beginnen. Die Vulkane der chilenisch-argentinischen Hochkordillere, aber auch die Vulkane der Atacama oder der ecuadorianischen "Straße der Vulkane" (Cotopaxi, Chimborazo) oder die mexikanischen Vulkane (Popocatepetl, Ixtaccihuatl) sind Beispiele dieses Glazialtyps.

In den Subtropen und Tropen ist der Hanggletscher die vorherrschende Form. Wegen der nicht vorhandenen jahreszeitlichen thermischen Amplituden halten sich die Eisloben dort auch auf steilsten, ja selbst senkrechten Wänden. Die Cordillera Blanca (Weiße Kordillere, Peru) ist unter extremen Bergsteigern und Eiskletterern für ihre übersteilten Eishänge berühmt. Hangvereisungen (Hängegletscher, Talflankengletscher) weisen keine ausgeprägte Vertiefung des Gletscherbetts auf und sind insofern nicht den alpinen Gletschern zuzuordnen.

Die Temperatur des Eises ist ein weiteres Kriterium. Wir unterscheiden temperierte und kalte Gletscher. Bei kalten Gletschern befindet sich die gesamte Eismasse des Gletschers unterhalb des Druckschmelzpunktes. Dies ist bei vielen Gletschern in Polargebieten der Fall, dennoch gibt es z.B. in Westspitzbergen auch temperierte Gletscher. Temperierte Gletscher besitzen eine Eismasse, die sich weitestgehend (v.a. an der Gletscherbasis) am Druckschmelzpunkt befindet. Kennzeichen für temperierte Gletscher ist das Auftreten größerer Schmelzwassermengen und die Möglichkeit des basalen Gleitens als Form der Gletscherbewegung (durch den an der Basis vorhandenen Schmelzwasserfilm). An den meisten polaren Gletschern ist basales Gleiten nicht möglich, der Gletscher ist an seinem Untergrund festgefroren.

Schließlich sind nach der Lage in Klimagürteln polare, sub- und randtropische sowie tropische Gletscher zu differenzieren. Polare Gletscher sind oft kalte Gletscher und haben, wenn sie sich plastisch bewegen, nur eine geringe Fließgeschwindigkeit. Bewegen sie sich aber „en bloc“ und rutschen auf ihrem Untergrund oder einer Eis- oder Grundmoränenmasse, können sie große Geschwindigkeiten erreichen. Die ganzjährig ariden Bedingungen führen etwa in der transantarktischen Kordillere den Nährgebieten nur wenig Niederschlag zu. In den gemäßigten Breiten führt der winterliche Massenzuwachs zu relativ hohen Geschwindigkeiten. Sub- und randtropische Gletscher liegen im Trockengürtel der Erde und somit in der Zone höchstge-legener Schneegrenzen. Sie werden bei spärlichen Niederschlägen nur schwach ernährt, aber auch nur schwach abgetragen, somit einen bescheidenen Massen-umsatz, und haben nur geringe jahreszeitliche Schwankungen. Tropische Gletscher werden nicht durch thermische, wohl aber durch hygrische Schwankungen in ihrem Massenhaushalt beeinflusst.

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