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Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
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 up 3 Hydrologie, oder: Die Gewässer Lateinamerikas
 up 3.2 Limnologie: Die Binnengewässer Lateinamerikas
 up 3.2.1 Die Flüsse Lateinamerikas

3.2.1.3 Täler im Längs- und Querprofil

Täler werden vor allem nach ihrem Querprofil unterschieden (Talformen). Dieses ist abhängig von Abtragung und Transport und diese hängen von der Reliefenergie, von den klimatischen - und vor allem klimageomorphologischen - Bedingungen und vom Abflußregime ab. Bei hoher Reliefenergie überwiegt die Tiefenerosion, es bilden sich tief eingeschnittene Kerbtäler (V-Täler). Sie sind in der chilenischen Küstenkordillere oder den pampinen Sierren Argentiniens zu bewundern.

Wurden solche Täler glazial überformt, sind sie zu Trögen (U-Täler) umgewandelt worden. Lehrbuchhafte Trogtäler weist die chilenisch-argentinische Hochkordillere auf, aber auch die Patagonische Kordillere. Stufen, die für das glaziale Relief typisch sind, werden mit Klammen durchschnitten. Eine solche Klamm ist ein Tal mit senkrechten Wänden, das keine Talsohle ausbilden kann, weil es ausschließlich in die Tiefe erodiert. Sie sind in den Anden oder den mittelamerikanischen Kordilleren weniger häufig anzutreffen als in den Alpen, weil das Eisstromnetz dort weniger flächenhaft ausgebildet war. Wirklich schöne Klammen finden sich daher nur in der Südkordillere.

Formal ähnlich den Klammen sind die Canyons, die freilich nicht glazialer Entstehung sind. Mit dem Colca-Cañon in Peru hat Lateinamerika den tiefsten Canyon der Welt aufzuweisen. Canyons entstehen, wenn Flüsse Gelände- oder Gebirgsschwellen durchschneiden und dabei so mit der Tiefenerosion in Anspruch genommen sind, dass sie keine Lateralerosionskraft besitzen und keine Auen ausbilden können.

Sehr charakteristisch für große Teile Lateinamerikas - insbesondere die tropischen - sind die Muldentäler und Flachmuldentäler, in denen die Flüsse z.T. Dammufer bilden. Sie sind typische Formen exzessiver Talbildung auf tiefgründig verwitterten tropischen Oberflächen.

Für das Längsprofil aller Täler gilt zunächst die Idealform des Abflusses in Form einer Parabel mit steilem Oberlauf und flachem Unterlauf. Jedes Fließgewässer hat die Tendenz, diese Form zu erreichen, wird jedoch durch Vorformen, Tektonik oder Gesteinsunterschiede daran gehindert, diese Idealform rasch zu erreichen. Eine solche Vorformung kann die glaziale Überprägung eines Talsystems sein. Gletscher tendieren dazu, Stufen im Längsprofil herauszumodellieren. Solche Stufen werden heute vielfach durch Klammen zerschnitten.

Tektonisch bedingt ist der steile Abfall der brasilianischen Trappdecken zum La-Plata-Becken, sind aber auch große Einbrüche intramontaner Becken oder die Herausbildung von Horsten in den Kordilleren. Im Gebiet der alten Schilde herrscht die für Kratone typische germanotype Tektonik, d.h. tektonische Spannungen können sich nur im Zerbrechen von Gesteinsschollen, nicht aber in deren Verbiegung oder Faltung entladen. Dort sind demnach tektonisch bedingte Reliefstufen sehr häufig anzutreffen.

Auf Gesteinsunterschiede, etwa die Querung eines Tales durch einen Härtlingzug, gehen weitere Stufen im Längsprofil zurück. In Chile sind solche Härtlinge oft sekundär durch Kontaktmetamorphose gebildet worden. Überhitzte Gas-Schmelzwasser-Lava-Ströme aus ausbrechenden Vulkanen (sog. Lahare) haben das anstehende Gestein durch die hohen Temperaturen so gehärtet, dass es der rückschreitenden Erosion Widerstand entgegensetzt.

Stufen im Längsprofil haben oft die Ausbildung von Wasserfällen und Stromschnellen zur Folge.

 down 3.2.1.3.1 Wasserfälle und Stromschnellen
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