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Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
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 up 3 Hydrologie, oder: Die Gewässer Lateinamerikas
 up 3.2 Limnologie: Die Binnengewässer Lateinamerikas
 up 3.2.1 Die Flüsse Lateinamerikas
 up 3.2.1.2 Entwässerungsregionen

3.2.1.2.1 Abflussregime

Unter Abflußregime versteht man den charakteristischen Ganz des Abflusses eines Gewässers, der durch die Milieufaktoren Klima, Relief, Vegetation und durch den hydrogeologischen Aufbau eines Gebietes gesteuert wird. Das Klima ist hierbei der wichtigste Einflußfaktor.

Nach ihrer Wasserführung lassen sich Flüsse in drei Klassen einteilen:

1. Flüsse mit ganzjährigem Abfluß (= perennierende oder ausdauernde Flüsse). Ihr Verbreitungsgebiet sind die Tropen im Bereich der Regenwälder und Feuchtsavannen und humiden Außertropen.

Rio Grande im östlichen bolivianischen Andenrand

2. Flüsse, die mindestens einen Monat im Jahr trocken fallen. Diese periodisch wasserführenden Flüssen finden sich in wechselfeuchten Klimaten (Trocken- und Dornsavanne, Steppenklima). Ihr Vorkommen hängt neben der klimatischen Trockenheit auch von der Grundwasserspeicherung ab. Nordmexiko, Nordwestargentinien und Patagonien kennen derartige Fließgewässer.

3. Flüsse, die nur selten und unregelmäßig Wasser führen. Diese episodisch wasserführenden Gerinne, auch Trockenflüsse genannt, sind in extremen Trockengebieten, in denen im Ablauf mehrerer Jahre nur gelegentlich Niederschlag fällt, anzutreffen. In den Küstenwüsten Chiles und Perus, in den Pampinen Sierren oder in Baja California finden sich solche Wadis.

Aber auch die perennierenden Fließgewässer weisen in der Regel im Jahreslauf eine wechselnde Wasserführung auf. Je nach der Ausdehnung und Lage des hydrographischen Einzugsbereichs eines Flußsystems kann das Abflußregime einfach oder komplex sein. Von einem einfachen Regime sprechen wir, wenn nur ein Einflußfaktor wirksam wird, komplex dagegen ist ein Regime, wenn im gesamten hydrographischen System unterschiedliche Faktoren zu verschiedenen Zeiten wirksam sind.

Sind Regenzeiten für die wechselnde Wasserführung verantwortlich, sprechen wir von einem pluvialen Abflußregime (Hochwasser während der Regenzeit[en], Niedrigwasser während der Trockenzeit[en]). Die Ströme der Guayana-Länder gehorchen z.B. diesem Abflußgang, sie sind relativ kurz, ihr gesamtes System unterliegt daher dem Einfluß der Regenzeit, die den ganzen Einzugsbereich etwa gleichzeitig erfaßt. Sie haben daher eine einfaches pluviales Abflußregime. Amazonas und Orinoco dagegen haben komplexe pluviale Regime, da ihre Quell- und Zubringerflüsse aus Regionen stammen, in denen die Regenzeit zu unterschiedlichen Zeiten einsetzt. Sie beginnt im Süden, so dass die von dort einströmenden Flüsse dem Amazonas eine erstes Hochwasser im Februar/März bescheren. Im August erreicht der Regen die nördlichen Zubringerflüsse, die dann dem Amazonas neuerlich einen Wasserhochstand bringen.

In den Hochgebirgen bzw. bei Flüssen, die unterhalb der vergletscherten Gipfelregion entspringen, herrscht dagegen ein nivales Abflußregime. Dies ist z.B. bei den Flüssen Zentralchiles oder Westpatagoniens der Fall. Ist die Abflußganglinie fast ausschließlich vom Schmelzwasseranfall bestimmt, sprechen wir von einem glazialen Regime, das immer dann gegeben ist, wenn das Einzugsgebiet ganzjährig zu 15-20 % von Schnee bedeckt ist. Dies ist in Lateinamerika nur in einem einzigen Fall gegeben, dem Oberlauf des Río Baker in der südchilenischen Provinz Aisén, darüber hinaus nur auf der antarktischen Halbinsel. Bei den nivalen Regimen der winterkalten Tief- und Bergländer überlagen sich bereits Niederschlag und Schmelzwasseranfall, freilich bei Dominanz der Schneeschmelze. Im Etesienklima (Winterregen) fallen Schneeschmelze und Regenzeit auseinander, dort finden wir also komplexe Abflüsse mit Maxima im Sommer und Winter. Da die Flüsse in diesen Zeiten reichlich Wasser führen, in den Übergangsjahreszeiten aber nahezu versiegen, bilden sie breite schotterbedeckte Talauen (sog. Torrenten), in denen sie über lange Strecken des Jahres zu verschwinden scheinen.

Vor allem nivale Regime gehen im Mittel- und Unterlauf häufig in Retentionsregime (von lat.: retendere - zurückhalten) über. Dies ist immer dann der Fall, wenn der Fluß beim Austritt des Gebirges in einen See (oft Zungenbeckensee) mündet. Da der Abfluß des Sees relativ gleichmäßig Wasser abgibt, verschwinden die Charakteristik des nivalen Typs unterhalb des Sees, der wir ein Ausgleichspuffer wirkt. Für die Bewässerung schafft ein solches Retentionsregime die besten Voraussetzungen.

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