Die Hydrologie erfasst, beschreibt und erklärt Eigenschaften und Erscheinungsformen des Wassers auf und unter der Landoberfläche einschließlich seiner räumlichen Verteilung und anthropogenen Beeinflussung. Sie hat traditionell zwei Kernbereiche: die Hydrologie der Meere (Ozeanologie) und die Hydrologie des Festlandes (Gewässerkunde), zu der die Limnologie (Seenkunde), die Hydrogeologie (Grundwasserkunde) und die Glaziologie (Entstehung und Verbreitung des Eises) zählen. Die moderne Entwicklung der Hydrologie rückt jedoch von diesen klassischen Sachgebieten zunehmend ab und orientiert sich an der Komplexität des hydrologischen Prozessgefüges. Hierbei tritt neben die Physikalische oder Theoretische Hydrologie die Angewandte Hydrologie mit ihren Teilgebieten (u.a. operative Hydrologie, Ingenieurhydrologie, Angewandte Regionale Hydrologie). Diese modernere Auffassung definiert die Hydrologie nicht nach dem Erfahrungsobjekt, sondern dem Erkenntnisobjekt. Demnach gehören die Erforschung von Wasserkreislauf, Wasserhaushalt, Wasserressourcen, die Entwicklung hydrologischer Vorhersagemethoden für Wasserstand, Abfluss, Grundwasser und Eis zu den Erkenntniszielen der Hydrologie. Dabei kommt der Nutzung und Bewirtschaftung von Wasser ein hoher Stellenwert zu. In Anbetracht der großen Bedeutung des Wassers für zahlreiche wissenschaftliche Disziplinen zeichnet sich die Wasserforschung durch einen interdisziplinären Ansatz aus, wobei Hydrogeographie, Geophysik, Biologie, Chemie und Physik die wichtigsten Partner darstellen.
Für Lateinamerika hat die Hydrologie eine besondere Bedeutung, da der Kontinent regional sowohl mit den Problemen des Überangebots von Wasser als auch des Wassermangels zu kämpfen hat.
In der geographischen Forschung kommt dem Wasser ein hoher Stellenwert zu. Es ist Teil der Naturausstattung und somit auch Teil der Naturraumausstattung, ihrem räumlichen Aspekt. Die Hydrogeographie untersucht daher das Wasser als Teil des Naturraums in seinen Erscheinungsformen, den räumlichen Strukturen, die diese bilden, den ihm innewohnenden Kräften und ihren Wirkungen, den Leistungen und Nutzungen, sowie dem zeitlich-genetischen Aspekt. Als Teildisziplin der Geographie untersucht sie den Geofaktor Wasser nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit den anderen Geofaktoren, insbesondere Klima, Relief, Vegetation und Boden, aber auch dem Menschen. Wasser ist Teil des Naturraumpotentials ("physisch-geographisches Potential") und bieten dem Menschen daher vielfältige Möglichkeiten der Nutzung, es stellt aber auch ein nicht zu unterschätzendes Risikopotential (Naturgefahrenpotential) dar. |