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Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
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 up 4 Klimatologie, oder: Klimatische Grundstrukturen und -prozesse in Lateinamerika
 up 4.2 Dynamische Klimatologie - Grundzüge der atmosphärischen Zirkulation in Lateinamerika
 up 4.2.1 Astronomisch-mathematische Grundlagen zur atmosphärische Zirkulation

4.2.1.2 Hochs und Tiefs

Wenn Luft erwärmt wird, geschieht dies nie direkt durch das kurzwellige Sonnenlicht, sondern immer über die von der Sonne zuvor aufgeheizten und langwelligen Wärmeausstrahlung der Erdoberfläche. Infolgedessen dehnt sich die Luft aus. Nach der Erwärmung haben also in einer Raumeinheit weniger Luftpartikel Platz als vorher, womit dieses Luftvolumen aber auch leichter als ein Kubikmeter kalte Luft ist und übt deshalb auch einen geringeren „Luftdruck“ auf die Erdoberfläche aus. Warme Luft hat also die Tendenz aufzusteigen. Wo Luft wegströmt muss aber auch Luft ersetzt werden, sonst würde ja ein Vakuum entstehen, also entsteht als Ausgleichsströmung zwischen „Hochs“ und „Tiefs“.

Unterschiedlich temperierte Luftmassen und damit Luftmassen unterschiedlichen Luftdrucks. Linien gleichen Luftdrucks nennt man Isobaren. Im Tiefdruckgebiet nimmt der Druck gleichmäßig von Außen nach Innen ab, im Hochdruck von Außen nach Innen zu.

Tiefdruckgebiete sind Gebiete niedrigen Luftdrucks, in die Luftmassen von allen Richtungen hineinströmen. Durch ablenkende Kraft der Erdrotation (Corioliskraft) werden auf der Nordhalbkugel die Luftmassen gegen den Uhrzeigersinn einströmen, auf der Südhalbkugel im Uhrzeigersinn. Durch diese Wirbel, die man auch als Zyklone bezeichnet, führen ausgedehnte Luftdruckgebiete auf der Nordhalbkugel auf ihren Ostseiten warme Luftmassen aus dem Süden und auf ihrer Westseite kalte Polarluft aus dem Norden herbei, auf der Südhalbkugel umgekehrt. Dadurch, dass in einem Tief die Luftmassen aufsteigen, sind sie meistens mit Wolkenbildung und Niederschlag verbunden. Die ausgeprägtesten Tiefs sind die mit starker Aufheizung entstandenen Hitzetiefs (über dem Äquator im Bereiche der ITC) und die Wirbelstürme.

Aus Hochdruckgebieten versucht die Luft, nach allen Seiten auszuströmen, wobei wieder die Corioloskraft eine Rolle spielt. Die aus Hochdruckzellen stammenden Luftströmungen werden auf der Nordhalbkugel im Uhrzeigersinn, auf der Südhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn abgelenkt. Hochdruckgebiete sind wolkenarm, da die Luft die aus ihnen in Bodennähe herausströmt von oben her durch neue Luftmassen ersetzt wird. Die absinkenden Luftmassen werden erwärmt, was zur Wolkenauflösung führt. Dennoch kann es in Hochdruckgebieten in schmalen Thermikschläuchen zu aufwärtsgerichteter Luftbewegung und damit kräftiger Haufenwolkenbildung und Wärmegewittern kommen. Hochdruckwirbel bezeichnet man als Antizyklonen.

Grafik: Winde an der Erdoberfläche

Bei Hochdruckwetter kommt es besonders nachts bei fehlender Wolkendecke zu besonders hoher Ausstrahlung der Bodenwärme. Nun kann sich schwere, kalte Luft in Bodensenken, Becken und Tälern sammeln. Jeder, der in den Bergen wandert, weiß, dass es in der Höhe „einen Kittel kälter“ wird. Dieser Grunderfahrung wiederspricht es, wenn kalte Luft in Bodennähe zu finden ist. Eine solche Wetterlage nennt man Inversion. In Lateinamerika macht man sich die nächtliche Inversion übrigens zunutze. Die Innenhofhäuser (Patiohäuser) fangen nachts die absinkende Kaltluft in den Patios ein, die von dort aus in die zum Atrium mit bodentiefen Türen versehenen Zimmer dringt und dafür sorgt, dass diese auch am Tage kühl wirken.

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