In seinem Essay von 1965 „El socialismo y el hombre en Cuba“ entwarf Ernesto „Che“ Guevara einen Neuen Menschen in einer Neuen Gemeinschaft. Dabei verknüpfte er Elemente des Humanismus des Philosophen und Helden der Unabhängigkeitskriege José Martí mit marxistischen Gedankengut. Die neue, im Entstehen begriffene Gemeinschaft ist für Guevara zu diesem Zeitpunkt die kommunistische Gesellschaftsform: Der „Neue Mensch“ (hombre nuevo) erlangt dort durch Erziehung und Selbsterziehung ein umfassendes Bewusstsein seiner sozialen Existenz und verwirklicht sich im Rahmen von „befreiter Arbeit“, die nicht feudalen Herren sondern der Gemeinschaft zugute kommt. Die Verwirklichung der Ideale der Neuen Gesellschaft fordert immer wieder Opferbereitschaft des Einzelnen - wie sie etwa bei der großen Alphabetisierungskampagne zum tragen kam, in deren Verlauf 250.000 Freiwillige 700.000 Erwachsene alphabetisierten.
Der Entwurf Guevaras kann insofern als ein "eschatologischer Mythos" verstanden werden, als er Ziel- und Sinnsetzung der Revolution als (quasi säkularisiertes) Heilsgeschehen in die Zukunft projiziert. Mit den Mythen des Ursprungs teilt der Mythos vom Neuen Menschen deren Begründungs- und Beglaubigungsfunktion und legitimiert Institutionen wie ausgeübte Herrschaft - hier konkret der Partei und der politischen Führung als Avantgarde der Revolution. Eine pragmatische Funktion kann dem Mythos vom Neuen Menschen und der Neuen Gemeinschaft ebenfalls zugesprochen werden, nämlich die Möglichkeit, Leit- und Modellvorstellungen für ganz konkrete Sachzusammenhänge zu entwickeln, u.a. für den Bereich Arbeit und Produktion.(Gewecke 1990: 82-83)
Die Verbindung von Mythos, Status und Arbeit ist in vielen Kulturen präsent und wird u.a. in einer Erzählung der Shuar (Kolibri und Rabe und die Kunst des Rodens) thematisiert.
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