Logo
Jahrestagung der ARGE Österreichische Lateinamerika-Forschung 2002
Lateinamerika und Europa - Verflechtungen und Wechselwirkungen

Österreichisches Lateinamerika-Institut
Home
Sitemap
Vorherige
Nächste
 up 2 Themenkreis Politik und Gesellschaft

2.8 Eva Fischer:
Projekte und Beziehungen - Verflechtungen und Wechselwirkungen. Ein Beitrag zur Erforschung der neueren Regionalgeschichte Charazanis.

Die folgenden Ausführungen sind ein Bericht über work in progress, in dessen weiteren Verlauf eine Feldforschung vorgesehen ist.

Die interandinen Täler Boliviens nordöstlich des Titicacasees, welche unter der Bezeichnung "Region Charazani" bekannt wurden, sind seit etwa 1950 das Ziel einer Vielzahl von asiatischen, europäischen und nordamerikanischen Spezialisten. Die Spuren dieser globalen Beziehungen fanden auf lokaler Ebene Resonanzen unterschiedlicher Art und Intensität.

Die Daten zur Geschichte der einzelnen Kontaktnahmen und den daraus resultierenden Beziehungen ergeben Muster der gegenseitigen Interessenlagen. Die lokale sozio-politische und ökonomische Situation ist demnach die Matrix nach der bestimmte Personen und Personengruppen die von außen an sie herangetragenen Anforderungen aufgreifen und ihren Zielen entsprechend nützen. Daraus wiederum entstehen unter bestimmten Bedingungen Eingriffe in regionale Strukturen und Veränderungen auf lokaler Ebene – es werden lokale Gewinner und Verlierer des globalen transkulturellen Prozesses produziert.

Wie funktionieren und zu welchen Resultaten führen also Wechselwirkung und Austausch globaler Beziehungen auf lokaler Ebene? Welche Rolle spielt dabei das in Charazani weiterhin intakte feudale Klientel-System? An welchen Stellen wird es durch globale Prozesse aufgebrochen und wo verfestigt?

Will man diese Fragen klären, so müssen zuerst alle Kontaktformen dokumentiert und klassifiziert werden. In einem weiteren Schritt werden die Betroffenen in informellen Interviews zur lokalen Entwicklung der sozio-politischen und ökonomischen Lage befragt. Diese Informationen werden durch allgemeine Daten zu historischen regionalen Prozessen im entsprechenden Zeitfenster ergänzt, um letztendlich ein Bild der Verflechtungen und Beziehungen vor allem aber von deren Auswirkungen auf die Lokalsysteme zu gewinnen.

Einer der offensichtlichen Effekte dieser Entwicklung ist das erneute Aufgreifen der Kallawaya-Thematik zu Beginn der 1990er Jahre, die mit der Zeit zu einer unkritischen Übernahme des "Labels" Kallawaya führte und damit die Formen schuf, welche erst danach mit den aktuell bekannten Inhalten gefüllt werden konnten.

Weitere ausgewählte Beispiele gewähren Einblick in die Möglichkeiten und in die Gefahren, aber auch in die positiven Ansätze eines gemeinsam Entwurfes für die zukünftige Lösung aktueller Probleme.

Dr. Eva Fischer; geboren 1956 in Wien; 1976-1977 Studium der klassischen Archäologie und Publizistik an der Universität Wien; ab 1978 Studium der Kunstgeschichte und Ethnologie; 1982 sechsmonatiger Aufenthalt in Perú und Bolivien; 1985-1988 Feldforschung in Bolivien; 1985-1998 kurzfristige Aufenthalte in Ecuador, Argentinien, Chile, Mexico, Guatemala und Honduras; Promotion im Mai 2000; seither als freie Wissenschafterin tätig.

Hilfe Seitenanfang
Home Sitemap Suche Bilder Vorherige Nächste

Letzte Aktualisierung dieser Seite:
Öffne externe Links in neuem Fenster?

© Copyright "Lateinamerika-Studien Online"