Im Sommer 1999 führte ich in einem „Mittelschichts“-Stadtviertel in Tijuana
eine Feld-forschung bei Jugendlichen durch und schrieb darüber meine Diplomarbeit
(Titel: Aufwachsen an der Grenze zweier Welten. Eine Fallstudie zum Leben Jugendlicher
in Tijuana, Mexiko; Betreuung durch Dr. Elke Mader). Im Referat sollen die Ergebnisse
dieser Arbeit vorgestellt werden.
Dabei wird nach einer kurzen Beschreibung von Tijuana und der Grenze Mexiko
– USA auf die Situation der Jugendlichen in dem Stadtviertel eingegangen. (Sollte
es zeitlich möglich sein, werde ich eine charakteristische Ausdrucksform von
Jugendkultur unter mexikanischen Jugendlichen auf beiden Seiten der Grenze vorstellen:
den cholismo.) Es geht weiters darum, wie die Jugendlichen ihr Leben an der
Grenze zu den USA bzw. die USA selbst einschätzen, welche Vor- und Nachteile
sie sehen und wie sich dies auf den Migrationswunsch der Jugendlichen auswirkt.
Ein wichtiger Aspekt, der damit in Zusammenhang steht, ist die Bedeutung von
familiären Netzwerken, die Migration nicht nur erleichtern, wie in der Migrationsliteratur
oft beschrieben wurde, sondern sie auch verhindern können. Durch die Nähe zu
den USA und den vielen Verwandten, die in den USA leben, haben viele Jugendliche
die Möglichkeit, eine differenziertere Sicht der USA zu erwerben als Personen
aus dem Süden Mexikos. Zusammen mit der wirtschaftlichen Situation in Tijuana
folgt daraus, dass weit weniger Jugendliche in die USA migrieren wollen, als
zu erwarten wäre. Die Jugendlichen leben gern in Tijuana. Abschließend bleibt
festzuhalten, dass sie – trotz der großen Heterogenität, die ich unter den Jugendlichen
beobachten konnte - eine sehr positive Sicht ihrer Zukunft haben.
Mag. Margit Pollheimer, geb. 1976 in Wien; von 1995 bis 2001 Studium der
Völkerkunde und Pädagogik; Schwerpunkte Lateinamerika, Jugend, Migration, Flüchtlinge;
Studium der Psychologie seit 1995; Teilnahme am Lateinamerika-Lehrgang seit
2001; Aufenthalte in Mexiko, Ecuador, Brasilien. |