Die nach dem Militärputsch 1973 durchgesetzten ökonomischen, sozialen und politischen Umstrukturierungen zählen weltweit zu den ersten, die die anti-keynesianische Vision von Neoklassik und Neoliberalismus weitreichend in die Tat umsetzten. Mit dem Aufstieg der Chicago boys zur strategischen Staatselite ging das Regime nach einer ersten Konsolidierungsphase an den tiefgreifenden Umbau der chilenischen Gesellschaft.
Die neue Elite wirkte zum einen innerhalb der Wissenschaften und sorgte für die theoretische Fundierung der neoliberalen „Konterrevolution“. Zweitens wirkte sie direkt (als Minister) oder indirekt auf die Regierung und deren Umfeld ein, indem sie politisch-praktische Expertise zur Verfügung stellte. Besondere Bedeutung kam aber auch diskursiven Praktiken zu, die die tiefgreifenden Veränderungen in der entwicklungsstrategischen Orientierung ergänzten und begleiteten. Deren Hauptinstrument war ein machtvoller neoliberaler Diskurs, der von marktradikalen Think Tanks und Medien entfaltet wurde und zur ideologischen Hegemonie neoliberalen Denkens führte.
Der Beitrag analysiert das „neoliberale Laborexperiment“ Chile und widmet sich den Beziehungen rechtsliberaler Diskursnetzwerke, vor allem der von Friedrich von Hayek nach dem Zweiten Weltkrieg gegründeten Mont Pèlerin Gesellschaft, zur Pinochet-Diktatur. Darüber hinaus wird die Rolle von neoliberalen „Ideenagenturen“ am Beispiel der Transformation der chilenischen Gesellschaft und der politischen Akteure diskurstheoretisch verortet.
Mag. Karin Fischer, geb. 1965, ist Historikerin und arbeitet am Institut für Stadt- und Regionalforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften; Lehraufträge im Rahmen des Projekts Institut für internationale Entwicklung (ZüF) der Universität Wien, Redaktionsmitglied des Journal für Entwicklungspolitik (JEP). |