Desertifikation entsteht in den meisten Fällen durch ein komplexes Wirkungsgefüge aus klimatischen und anthropogenen Faktoren. Unangepasste und nicht nahhaltige Landnutzung ist ein wesentlicher Bestandteil dieses Ursachenkomplexes und kann verschiedene Ausprägungen haben. Dazu gehören Degradierung der natürlichen Vegetationsdecke, ökologisch nicht angepasster Ackerbau, Desertifikation durch Bewässerungslandwirtschaft, oder etwa Überweidung.
Der Untersuchungsraum ist ein 5000 km² großes Gebiet im Norden der argentinischen Provinz La Rioja und ist morphologisch durch die Sierra de Velasco mit Höhen über 4000 m und Ausläufern des großen Bolsón de Andalgalá gekennzeichnet. In den Tiefenbereichen herrscht arides Klima mit einem Jahreschnitt von etwa 90 bis 200 mm, bei extrem hohen Evapotranspirationsraten. In den Berggebieten fallen durch Stauniederschläge bis zu 800 mm im Jahr. Diese Feuchtigkeit wird in verschiedenster Weise zur Bewässerung genutzt, einerseits von Kleinbauern mit traditionellen Methoden, andererseits durch große Betriebe mit moderner Ausstattung, in beiden Fällen mit mehr oder weniger großen Auswirkungen auf die natürlichen Ressourcen.
Wie für Desertifikationsforschung geschaffen präsentiert sich das Untersuchungsgebiet, da in der Tat viele Faktoren der nicht angepassten Landnutzung hier zu beobachten sind: Salinisation der Böden, Absinken des Grundwasserspiegels, Degradation der natürlichen Vegetation, äolische Wirkungen, Landflucht – oder handelt es sich doch um eine Abfolge von Ursache und Wirkung, wo eines das andere bedingt und es nicht so weit hätte kommen müssen?
Mag. Hannes Hoffert wurde in Wien geboren und studierte am Geographischen Institut in Wien bei Prof. Mensching und Prof. Fischer das Diplomstudium Geographie mit dem Schwerpunkt Physiogeographie, hier vor allem Morphodynamik in ariden Gebieten und Quartärforschung. 1999 hielt er sich im Zuge von umfangreichen Feldforschungen zum Thema Desertifikation im Nordwesten Argentinien auf und verfasste auch die Diplomarbeit zu diesem Fachbereich (Thema: Natürliche Ressourcen und Landnutzung in der Region Norte/Prov. La Rioja/Argentinien). Seither befasst er sich weiterhin mit der Desertifikation, nahm an der ISCO 2000 in Buenos Aires teil und schreibt zur Zeit an seiner Dissertation über die Einsetzbarkeit von geoelektrischen Prospektionen in der Geomorphologie, z.B. in Trockengebieten. Zudem ist er Lektor am Geographischen Institut der Universität Wien und Mitarbeiter am Projekt „Lateinamerika-Studien Online“. |