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Die Lebensgeschichte der 46jährigen Küchengehilfin Feliciana Luís Avendaño, die in einem Strandrestaurant in Puerto Ángel, Oaxaca, Mexiko “informell“ arbeitet, bewegt sich innerhalb eines kulturellen Rahmens, in dem sie als Subjekt agiert, reagiert und auch negiert, ihre unterschiedlichen Identitäten herausbildet oder verwirft. Er wird durch die jeweilige lokale Gesellschaft, in der sie lebt geformt und ist in historische, politische, soziale und ökonomische Bedingungen eingebettet.
Aufgewachsen in einer kleinbäuerlichen comunidad, die durch Strukturen lokaler Tradition, ausgeprägtem Wir-Gefühl und reziproken Verpflichtungen geprägt ist, folgt sie mit ihren Kindern Ende der 1970er Jahre, als die wirtschaftliche Krise Mexikos besonders den kleinbäuerlichen Sektor trifft, ihrem Ehemann in das mestizische Fischerdorf Puerto Ángel. Herausgerissen aus den gewohnten Sozialstrukturen ermöglicht die Analphabetin dort trotz fehlender sozialstaatlicher Absicherung oder finanzieller Unterstützung ihres Mannes das Überleben und die schulische Ausbildung ihrer sieben Kinder.
Ihre Lebensgeschichte beschreibt nicht nur die “triple jornada“, die “gender ideologies“ und Verteilungsfilter eines Systems, das besonders armutsverstärkend auf alleinerziehende Frauen wirkt. Sie betont auch ihre Grenzüberschreitung zwischen privaten und öffentlichen Räumen, ihre Anpassung und Widerständigkeit, ihre subjektiven Erinnerungen und soziokulturell geformten physischen und psychischen Erfahrungen, die auch Ähnlichkeiten zwischen uns Menschen implizieren können.
Mag. Bettina Nagl, geboren 1968 in Wien. Studium der Völkerkunde an der Universität Wien, Abschluß im Oktober 2001. Seit 1993 regelmäßige mehrmonatige Aufenthalte in Oaxaca, Mexiko; 2000/2001 Patagonien, Argentinien. 1997 Mitarbeit bei den Brigadas de la Unidad de Intervención de Protección Civil, UNAM, México. Jänner 2002 Vortrag bei Framework Gender II, Frauen und “Dritte Welt“, Frauensolidarität, Wien. Interessensschwerpunkte: biographische und ethnographische Forschung, Genderideologien in Lateinamerika. Dissertationsthema: Weibliche und männliche Lebenskonzepte und Machtbeziehungen in Oaxaca, Mexiko, dargestellt anhand der Lebensgeschichte(n) eines Ehepaares. |