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Jahrestagung der ARGE Österreichische Lateinamerika-Forschung 2002
Lateinamerika und Europa - Verflechtungen und Wechselwirkungen

Österreichisches Lateinamerika-Institut
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 up 2 Themenkreis Politik und Gesellschaft

2.5 Evelyne Puchegger-Ebner:
Die duale Gottheit - zum Bild des Weiblichen in Mythos und Ritus bei den Tarahumara

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Was eine Frau zur Frau macht, bestimmt nicht allein die Biologie. Geschlecht wird konstruiert. In den kulturellen Geschlechterrollen sind Normen, Werte und Machtverhältnisse der jeweiligen Kultur eingeschrieben. Geschlechterhierarchisierung, reale und symbolische Macht, sowie Machtfaktoren werden/sind in verschiedenen Gesellschaften unterschiedlich angelegt und werden jeweils anders bewertet (vgl. Lenz 1995,1995, Luig 1995).

Teil 1 meiner Tarahumara-Forschung, deren bisherige Ergebnisse als Diplomarbeit vorliegen, untersuchte die Wirtschafts- und Sozialstrukturen der Tarahumara-Kultur, wobei die Rezeption von weiblicher Produktivität, Kreativität und Prokreativität in dieser Gesellschaft im Vordergrund steht. Teil 2 - als Dissertation konzipiert - konzentriert sich auf die religiösen Vorstellungen und den sozio-zeremoniellen Komplex. Forschungsschwerpunkt ist wieder die Positionierung der Frauen in der Tarahumara-Gesellschaft. In Anlehnung an Lenz und Luig (vgl. Lenz 1995,1995, Luig 1995) argumentiere ich, dass über den Symbolbereich Stellung und Wertschätzung von Frauen in einer Gesellschaft transparent gemacht werden können:

  • In der Zeichensprache offenbaren sich die (oft) unbewußten Vorstellungen einer Kultur. Tarahumara-Überlieferungen zeigen, dass sich ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis bis zu Pflanzen und Tieren (mythologisch) rückverfolgen lässt.
  • Am Beispiel von Seelen- und Menschenbilder (welche regulativ und normativ bestimmend werden) beschreibe ich wie symbolische Macht in der gesellschaftlichen Realität zur konkreten Machtgewinnung eingesetzt werden kann und welche Möglichkeiten Tarahumara-Frauen in diesem ideologischen Gefüge offen stehen.
  • Das Ritual-Erleben verläuft unterschiedlich: Je nach dem ob es als eine Zeremonie des hierarchisch organisierten pueblo-Komplexes gefeiert wird, oder ob es im Rahmen der weitgehend egalitär angelegten präkolumbischer Riten auf rancho-Ebene stattfindet. Die beiden unterschiedlichen und parallel nebeneinander existierenden Gesellschaftsstrukturen (rancho/pueblo-Ebene) der Tarahumara-Kultur sind ausschlaggebend für die Stellung der Frauen innerhalb der Tarahumara-Gesellschaft. Wie sichtbar/unsichtbar sind sie innerhalb der jeweiligen Strukturen?

Aus der sozio-zeremoniellen Gesamtschau kann die Position der Tarahumara-Frauen erklärt werden: Als gleichwertige Akteurinnen im Zeremonialgeschehen, werden ihre spirituellen Kräfte und ihre symbolische Präsenz/Einflussnahme anerkannt. Daraus erwächst ihnen (u.a.) gesellschaftliche Wertschätzung, welche mythologisch begründet, ihnen in der sozialen Realität persönlichen Status verleiht.

Mag. Evelyne Puchegger-Ebner, Filmschaffende im Dokumentarbereich; Studium der Ethnologie in Kombination mit Geschichte, Religionswissenschaft, Psychologie und Frauenforschung an der Universität Wien; mehrere Mexiko-Aufenthalte zur Feldforschung, Diplomarbeit über die soziale Position indigener Frauen im Bundesstaat Chihuahua/Mexiko (Gott ist hungrig - Zur Stellung der Frau bei den Tarahumara, Teil 1). Die Dissertation (Gott ist Mann und Frau- Zur Stellung der Frau bei den Tarahumara, Teil 2) führt das Diplomarbeits-Thema (Dokumentation und Analyse der Position von Frauen innerhalb der Tarahumara-Gesellschaft) weiter aus und ist bereits in Fertigstellung.

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