José Cardús, ein gebürtiger Katalane (*1845), trat mit 16 Jahren dem Franziskanerorden bei und kam als 19-jähriger nach Bolivien. Im Jahre 1868 trat er ins Missionskolleg Tarata ein und hielt sich bereits 1869 in den Missionen von Guarayos auf. In diesen wirkte er, mit verschiedenen Unterbrechungen, bis 1882. Cardús wechselte häufig von einem Missionskolleg in ein anderes; die Quellen berichten von Unstimmigkeiten mit Patres und von gesundheitlichen Beschwerden.
Seine Erfahrungen in den Missionen von Guarayos trugen dazu bei, dass er im Jahre 1882 von Generalkommissär Ugolino Gorleri zum Visitator aller Franziskanermissionen Boliviens bestellt wurde. In einer zweijährigen Reise besuchte er alle Franziskanermissionen und hielt seine Erfahrungen und Eindrücke im Buch „Las Misiones franciscanas entre los infieles de Bolivia“ fest. Im Jahre 1885 oder 1886 unternahm er eine Europareise, um das Buch in Spanien drucken zu lassen und neues Personal für das Missionskolleg Tarata, im Besonderen aber für die Missionen unter den Guarayos, anzuwerben. Im Jahre 1888 kehrte er mit neuem Personal nach Tarata zurück (darunter waren auch die ersten beiden Patres der Tiroler Provinz); das Buch war 1886 in Barcelona gedruckt worden. Sein franziskanisches Wirken währte aber nicht mehr lange. Wegen kollegsinterner Unstimmigkeiten, die vor allem mit der Ausbildung der neu angekommenen Novizen zusammenhingen, erbat er den Austritt aus dem Franziskanerorden. Dieser wurde ihm im Jahre 1889 gewährt.
José Cardús starb am 3. Februar 1919 in Barcelona. |