Die Patres (Konversoren) galten als die oberste Autorität und wachten über das religiöse und weltliche Leben in den Missionen. Dieses Recht wurde ihnen durch das „Reglamento de Misiones“ zugesprochen.
Das Leben der Indígenas wurde ab den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts streng reglementiert. Als kleinste Organisationseinheit galt die Familie, der eine Wohnung und ein Grundstück zugewiesen wurde. Das Missionsleben wurde nach individuellen und gemeinschaftlichen Prinzipien gestaltet. An den ersten drei Tagen in der Woche wurde für das Gemeinwohl gearbeitet (z.B. wurden Häuser gebaut oder Wege errichtet), an den folgenden drei Tagen arbeiteten die Guarayos für den persönlichen Nutzen.
Jedes Individiuum war in diesen Wochenplan eingebettet; Männer, Frauen und Kinder verrichteten spezielle Aufgaben, die diesen Prinzipien entsprachen. Sozial Schwächere (z.B. Witwen) wurden vom Gemeinschaftsfonds erhalten; die Kinder mussten vom siebten Lebensjahr bis zu ihrer Verheiratung die Schule besuchen. Auch dort, ebenso wie in allen anderen Bereichen, griffen das religiöse und das weltliche Leben eng ineinander. Der Tages-, Wochen- und Jahresablauf war eingebettet in einen religiösen Plan, der unter anderem das gemeinsame Gebet, den Messbesuch oder die religiöse Würdigung des Sonntags vorsah.
Damit der Konversor die vielfältigen Aufgaben abwickeln konnte, standen ihm indigene Amtspersonen zur Seite. Diese wurde in ihrer Gesamtheit als Cabildo bezeichnet, wobei an oberster Stelle der Kazike stand. Sie übten vor allem Überwachungsfunktionen aus und genossen bestimmte Privilegien.
Das Reduktionsmodell in Guarayos wurde durch die Säkularisierung im Jahre 1938 aufgelöst, seither sind die Patres nur mehr geistliche Würdenträger. |