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Jahrestagung der ARGE Österreichische Lateinamerika-Forschung 2002
Lateinamerika und Europa - Verflechtungen und Wechselwirkungen

Österreichisches Lateinamerika-Institut
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 up 7 Hypertexte
 up 7.2 Bettina Nagl: “Eso es de lo que vengo viviendo, vivir trabajando.“ Die Lebensgeschichte einer mexikanischen Frau anhand eines narrativ-biographischen Interviews, durchgeführt in Puerto Ángel, Oaxaca, Mexiko.
 up 7.2.6 Sozialpolitische Einrichtungen, Alleinerziehende Mütter und Kinder

7.2.6.1 Informelle Tätigkeiten

Die informelle Arbeit als Küchenhilfe garantiert Chana

  • weder sozialstaatliche Absicherung, noch ist sie arbeitsrechtlich geschützt.
  • Sie arbeitet 10-12 Stunden täglich für einen Lohn, der weit unterhalb des gesetzlichen Mindestlohnes liegt und hat keinen Anspruch auf Urlaub oder Krankenstand.
  • Sie steht in einem Abhängigkeitsverhältnis zu einer sozial und ökonomisch “bessergestellten“ patrona.

Für Frauen besteht die Attraktivität der informellen Erwerbstätigkeit darin, daß sie sich mit der Subsistenzarbeit verbinden läßt. Sind sie jedoch Alleinernährerinnen ihrer Familien, droht die Verarmung des gesamten Haushaltes, da ihr Einkommen kaum die täglichen Ausgaben für das Überleben abdeckt. Für diese Frauen gibt es keinen „Ruhestand“ und auch keine gesetzliche Rente, was die Gefahr einer Altersarmut verstärkt (Wichterich 1995: 163f.).

Das Übernehmen von Eigenarbeit anderer Haushalte - Wäsche waschen, tortillas herstellen, etc. - durch eine “schlechtbezahlte Dritte“ ist von einer persönlichen Abhängigkeit und durch informelle Absprachen zwischen ökonomisch und sozial “Ungleichen“ getragen (Braig 1992: 107). Diese Arbeit hat jedoch mit der kulturellen und ökonomischen Bedeutung der traditionellen Subsistenzarbeit nichts gemein. Deren symbolischer Gehalt stellt einen Bereich der Autonomie und Macht der Frauen dar und erhält ihren Sinn nur durch die Einbindung in die bäuerliche Produktionsgemeinschaft.

In Mexiko hat sich der Anteil der informell Beschäftigten zwischen 1982 und 1994 verdreifacht und liegt derzeit bei über 60% (Komlosy et al. 1997: 12f.). Etwa 40% der informell Beschäftigten in Mexiko sind Familienoberhäupter (Schubert 1997: 175).

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