Das System des compadrazgo ist eine Art “Wahlverwandtschaft“, die auf Vertrauen, Respekt und Reziprozität basiert. Es stellt eine lebenslange Verpflichtung zwischen den compadres dar und ist einerseits ein Regelsystem, dem sie sich beugen müssen. Andererseits ist es ein ökonomischer Sicherheitsfaktor der dort helfend eingreift, wo andere Institutionen, z.B. nationalstaatliche, versagen. Diese Sicherheit schaffenden sozialen Institutionen werden jedoch durch den Verlust der Verfügungsmacht über Ressourcen, der gesellschaftlichen Position und sozialen Sicherung von Frauen immer brüchiger (Lachenmann 1997: 400).
Auch Chana kann durch ihre schwache soziale und ökonomische Position die gegenseitigen Pflichten und den sozialen Austausch des compadrazgo kaum einhalten. Zum einen, da sie durch ihre lohnabhängige Arbeit zeitlich eingeschränkt ist. Zum anderen, da sie den gegenseitigen materiellen Verpflichtungen nicht nachkommen könnte. |