Die 46jährige Feliciana Luís Avendaño oder ¡tía Chana! lebt in Puerto Ángel an der pazifischen Küste Oaxacas in Mexiko. Die Mutter von sieben Kindern arbeitet dort “informell“ als Küchengehilfin in einem der Strandrestaurants. Mit ihrem geringen Einkommen ermöglicht die Analphabetin die schulische Ausbildung ihrer 3 jüngsten Töchter. Die 4 älteren Kinder leben bereits selbständig. Chanas Ehemann und der Vater der Kinder trägt kaum zum Familieneinkommen bei und lebt im Haushalt einer anderen Frau.
Chana bewegt sich innerhalb eines kulturellen Rahmens, in dem sie als Subjekt agiert, reagiert und auch negiert, ihre unterschiedlichen Identitäten herausbildet oder verwirft. Er wird durch die jeweilige lokale Gesellschaft geformt und ist in historische, politische, soziale und ökonomische Bedingungen eingebettet. Einerseits muß sich Chana ständig an diese gesellschaftlichen und kulturellen Verhältnisse anpassen. Andererseits hat sie aber die Möglichkeit zur Widerständigkeit und zur Erweiterung ihres Handlungsspielraumes.
Chanas Lebensgeschichte beschreibt neben dieser “Konstruktion der sozialen Praxis“ (Diemberger 1997: 152) auch die “triple jornada“, die “gender ideologies“ und Verteilungsfilter eines Systems, das besonders armutsverstärkend auf alleinerziehende Frauen wirkt (Wichterich 1998: 191). |