Ethnische/kulturelle Identität wird in folgenden Kontexten erlebt, bzw. dargestellt:
a) Im Kontext der Maisbierfeste: Jene Organisationsform, in der alle Aspekte der Tarahumara-Welt aufeinandertreffen, ermöglicht die plotische, kulturelle und wirtschaftliche Selbstbestimmung der Tarahumara und wird so zur Basis für eine Abgrenzung nach aussen . Über das mythologisch abgesicherte und im Fest ge/erlebte Wir-Gefühl definieren sich die Tarahumara als Ethnie.
b) Ideologisch über das Konzept des Richtigen Denkens: Es bildet Grundlage, Norm und Regulativ der funktionierenden Tarahumara Gesellschaft.
Gute Denker sind Personen, welche die Höflichkeitsregeln einhalten: Dies impliziert auch Vermeidung körperliche Berührung und des Blickkontaktes - ´Händeschütteln´ ist ein kurzes Berühren der Fingerspitzen des anderen. Gute Denker wahren die Privatsphäre: Ein Besucher wartet so lange in der Nähe des fremden Hauses bis er/sie bemerkt und begrüßt wird; in seltenen Fällen wird der Besucher ins Haus gebeten - das wäre schon eine Intimitätsbekundung. Gute Denker verhalten sich respektvoll: Sie lassen andere ausreden, hören zu, anstatt sie zu drängen und mischen sich vor allem nicht in die Angelegenheiten anderer ein. Ferner vernachlässigen sie in einer Beziehung den/die Partner(in) nicht , teilen Essensgaben (kórima) mit anderen, lassen sich zu keinen Wutanfällen hinreißen, vermeiden Gewalttätigkeiten, demonstrieren bei Arbeitsprojekten Initiative und Selbständigkeit und kommen ihren Verpflichtungen gegenüber der Gemeinschaft und den Gottheiten nach, d.h. sie veranstalten möglichst oft Maisbierfeste. |