Opariame beschreibt die Unfähigkeit Ärger oder Zorn zu kontrollieren - gilt als schwerer, moralischer Verstoß. Es bezeichnet Leute von aufbrausender Art, deren Benehmen zu sehr an die chabochi (Mestizen/Weissen) erinnert . Individuen mit solch einem Temperament werden oft aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Wichtig zum Verständnis dabei ist, daß die Verhaltensnorm der Tarahumara-Gesellschaft Zurückhaltung, Respekt den anderen gegenüber und Kontemplativität als Ideal ansieht. Dies grenzt sie von der Aggressivität, Respektlosigkeit, dem ungezügelten Ausagieren ihrer Sexualität und der Hyper-Aktivität des mestizischen Umfelds ab. Da die chabochi- nach Tarahumara-Mythologie - vom Teufel kommen, sind ihre Charaktereigenschaften auch nicht erstrebenswert. Das Ideal der Gewaltlosigkeit bildet die Basis für eine Abgrenzung nach aussen und ist bestimmend für die kulturelle/ethnische Identität.
Sexuelle Übertretungen (Vergewaltigung) können schwer bestraft werden - wobei für die Schwere der Bestrafung nicht die Tat als solche ausschlaggebend ist, sondern die damit einhergegangene Aggression und Imitation des mestizischen Verhaltens (vgl. Irigoyen-Rascon 1989:173). |