Logo
Jahrestagung der ARGE Österreichische Lateinamerika-Forschung 2002
Lateinamerika und Europa - Verflechtungen und Wechselwirkungen

Österreichisches Lateinamerika-Institut
Home
Sitemap
Vorherige
Nächste
 up 7 Hypertexte
 up 7.1 Evelyne Puchegger-Ebner:
Die duale Gottheit - zum Bild des Weiblichen in Mythos und Ritus bei den Tarahumara.
 up 7.1.3 Soziale Ideale und Normen
 up 7.1.3.2 Vom Richtigen Denken

7.1.3.2.1 Zusammenspiel von individueller und kollektiver Handlungsweise

Soziales Ideal der persönlicher Tüchtigkeit. Jede(r) erfüllt seine/ihre Aufgabe entsprechend den gesellschaftlichen Normen und wirtschaftlichen Bedingungen - gemäss dem indigenen Gesellschaftsvertrag. Dieser beinhaltet, daß auf den ergänzenden Aufgabenbereichen der Geschlechter und ihrem Zusammenspiel als Familie - dem Grundelement einer Gesellschaft - das reibungslose Funktionieren des Kollektivs beruht, bzw. garantiert wird. (vgl. Feest 1998:18).

Angestrebtes Ziel:Im jeweiligen Lebensbereich erfolgreich zu agieren und eine hohe soziale Kompetenz innezuhaben - um ein gutes Leben für alle zu sichern. Ein gutes Leben ist dann gegeben, wenn Eigenmächtigkeit und Lebenslust, sowie eine ganzheitliche Sichtweise im Umgang mit Natur als gesellschaftliche Werte und Normen eingewerden können (Bennholdt-Thomsen 1997).

Eigenverantwortlichkeit und selbstständiges Wirtschaften werden betont, denn Menschen, die faul sind, stellen eine Gefahr für die Gemeinschaft dar: Sie werden versuchen, ihren Lebensunterhalt durch Diebstahl zu bestreiten. In einer Gegend, wo Nahrungsmittel oft Mangelware sind und Verhungern eine konkrete Bedrohung darstellt, ein schweres Vergehen, das auch in den Mythen aufgearbeitet wird.

Einerseits bringt individueller Erfolg Status/Ansehen, andererseits wissen die Tarahumara, dass sie nur als Kollektiv überlebensfähig sind. Obwohl Individualität und Unabhängigkeit gelebt werden, wird der Stellenwert der Gemeinschaft anders wertgeschätzt als in sozialstaatlichen Gesellschaften, denn sie bietet Rückhalt in prekären Situationen. Da keine institutionalisierten, existentiellen Absicherungen außer der eigenen und gemeinschaftlichen (Re)produktionsfähigkeit in Notzeiten abfedern, benötigt der/die Einzelne den Gruppenrückhalt, um überleben zu können. Eine Kultur der Gegenseitigkeit (Bennholdt-Thomsen 1998:70) garantiert dies. Zeiten des Hungers und des Mangels werden mittels der sozialen Norm von Reziprozität und kórima (Essensgaben) ausgeglichen.

Hilfe Seitenanfang
Home Sitemap Suche Bilder Vorherige Nächste

Letzte Aktualisierung dieser Seite:
Öffne externe Links in neuem Fenster?

© Copyright "Lateinamerika-Studien Online"