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Ein Maisbierfest wird nie grundlos veranstaltet, des bloßen Unterhaltungswertes wegen. Im Rahmen einer tesgüinada werden alle wichtigen öffentlichen Ereignisse wie Gemeinschaftsarbeiten, interne Schlichtungsverfahren, Gemeinde-Angelegenheiten, Wettläufe, Jahreszyklus-, Heil-Riten oder auch die Kirchenfeste der pueblos durchgeführt. Allerdings nimmt nicht in allen Tarahumara-Gemeinden die tesgüinada den gleichen Stellenwert ein. Je weniger akkulturiert und christianisiert die Gemeinde ist, desto wichtiger ist die tesgüinada, da hier alle sozio-politischen Ereignisse stattfinden.
Während eines Maisbierfestes gelten die Alltagsnormen als aufgehoben. Zurückhaltung, Respekt vor Anderen, Nichteinmischung in persönliche Angelegenheiten, Vermeidung von Konflikten, eheliche Treue und alltägliches Rollenverhalten der Geschlechter werden für die Dauer eines Maisbierfestes aufgegeben.
Diewichtigste gesellschaftliche Gruppe - außerhalb des eigenen Haushaltes - sind jene Personen, mit denen Maisbier getrunken wird. Kennedy (1978) prägte dafür den Begriff tesgüinadanetwork. Er versteht darunter jene einander überschneidenden Einheiten, die sich daraus ergeben, daß jeder Haushalt einen eigenen Bekanntenkreis hat und bei keiner Gegeneinladung dieselben Leute anwesend sind wie beim Ausgangsfest. Durch den übergreifenden Charakter der miteinander agierenden Familien entsteht ein vernetztes System, das sich über die ganze Sierra Tarahumara zieht - verbunden durch die Teilnahme an Maisbierfesten und reziproken (Arbeits)verpflichtungen.
Als sozio-politische Einheiten rangiert das tesgüinada-Netzwerkzwischen der Familien (rancho-) und der pueblo-Ebene, wobei das flexible und sich permanent verändernde System die egalitären und dezentralistischen Strukturen der ranchería-Gesellschaft weiterführt. |