An der Peripherie der Weltwirtschaft wurde nach dem 2. Weltkrieg eine am Dualismus orientierte sozioökonomische Strategie von Fortschritt und Entwicklung verfolgt, die in der städtischen Entwicklung die Zukunft der gesamten nationalen Entwicklung sah. Die stärkste Kritik an diesem Entwicklungsmodell, das die Industrie gegenüber der Landwirtschaft und die Stadt gegenüber dem Land bevorzugte, formulierte Michael Lipton (1977) mit seiner These vom “Urban Bias”.
Lipton argumentiert, dass die entscheidende Kluft vor allem in peripheren Ländern weder zwischen Kapital und Arbeit noch zwischen ausländischen und nationalen Interessen verläuft, sondern zwischen Stadt und Land. “The rural sector contains most of the poverty, and most of the low-cost sources of potential advance; but the urban sector contains most of the articulateness, organisation and power” (Lipton 1977: 13). Statt in die Basisversorgung der Landbevölkerung und die Förderung der Lebensmittelproduktion am Land, gehen die knappen Ressourcen in die städtische Infrastruktur und hierbei zu einem guten Teil in Prestigeprojekte wie Prunkbauten. In der Tat war im 20. Jahrhundert eine dramatische Landflucht beobachtbar. Heute leben fast 80 Prozent der LateinamerikanerInnen in Städten. |