Interessant an Liptons Ansatz ist der Umstand, dass er das Stadt-Land-Problem wesentlich als ein Problem zwischen den Reichen und Armen am Land selber versteht, ein Umstand, der später oftmals aus den Augen verloren wurde. Damit kommt Macht in den Blick. “Few townspeople, doing well out of urban bias, will abandon self-interest: but some will think long, will realise that rural consciousness is one powerful weapon against the urban bias that ultimately threatens urban as well as rural progress and tranquility, and will seek to help, without paternalism, to inform and unite the rural movements that express that consciousness” (Lipton 1977: 333). Damit deutet Lipton den Übergang von einer dualistischen, am Raum fixierten Sichtweise zu einer dialektischen Analyse an, die Raum und Soziales als Momente eines Ganzen sieht. Sozialräuliche Phänomene werden demnach als vernetzt verstanden und erfordern eine interdisziplinäre Analyse. Stadt und Land bilden eine widersprüchliche Einheit, eine Totalität. Innerhalb dieser finden sich interne Beziehungen, welche vier Eigenschaften aufweisen: Die Elemente bilden (1) eine Einheit oder Totalität, sie sind (2) verschieden und separat, aber gleichzeitig (3) identisch und sie sind (4) voneinander gegenseitig abhängig. Verstädterung und Landflucht bilden daher (1) eine Einheit; während (2) Urbanisierung aber einen Raum konstruiert, destrukturiert sich am Land der traditionelle soziale Raum durch das Weggehen von Menschen; Urbanisierung und Landflucht benennt (3) den gleichen Prozess räumlicher Umstrukturierung und das eine wäre (4) ohne das andere in dieser Art und Weise nicht möglich. |