Die politökonomische Entwicklung der letzten Jahrhunderte ging mit rasanten räumlichen Umwälzungen einher, dessen wichtigstes Phänomen die Urbanisierung ist. In Europa war das 19. Jahrhundert das Jahrhundert der Urbanisierung. Trotzdem hielten es die großen Theoretiker sozialer Entwicklung, von Marx über Durkheim bis zu Weber nicht für notwendig, eine Theorie der Stadt zu entwickeln. “Anders ausgedrückt scheinen alle drei dersselben Meinung gewesen zu sein, daß keiner von ihnen es für nützlich und notwendig ansah, eine spezifische Theorie der Stadt zu entwickeln, um diese Veränderungen zu erklären” (Saunders 1987: 20). Jedoch war es für alle drei unbestritten, dass den Städten eine wichtige Rolle im Übergang vom Feudalismus zum Kapitalismus zukam (vgl. auch Braudel 1986). “Stadtluft macht frei”, war ein Motiv, warum die Flucht in die Stadt eine Form wurde, wirtschaftlicher und politischer Herrschaft zu entkommen. Bauern konnten der feudalen Herrschaft entkommen und in der bürgerlichen Stadt ein freies Leben wagen. Ein neuer Raum eröffnete neue Möglichkeiten. |