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Stadtentwicklung in Lateinamerika
Ao. Prof. Dr. Andreas Novy und Elisabeth Hammer
Abteilung für Stadt- und Regionalentwicklung, Wirtschaftsuniversität Wien
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 up 4 Polarisation

4.3 Polarisationstheorie in den Zentren

Parallel zur lateinamerikanischen Theorieproduktion fanden ähnliche theoretische und praktische Entwicklungen in Europa statt.

Der Druck der Arbeiterbewegung und nationaler Befreiungsbewegungen hatte seit dem 19. Jahrhundert die soziale und die nationale Frage auf die politische Tagesordnung gesetzt. Im Mittelpunkt des Interesses stand die Frage, wie sich Einkommen und Besitz zwischen sozialen Gruppen und Räumen verteilt. Dies Schlüsselfrage zielt auf eine Erklärung dafür, ob kapitalistischen Marktwirtschaften eine Tendenz zum Ausgleich von Unterschieden innewohnt oder ob die Tendenz zur Polarisierung dominiert. Wenn kapitalistische Entwicklung räumlich ungleich erfolgt, sind politische Interventionen gerechtfertigt – allen voran auf der nationalen und regionalen Ebene. Staatliche Investitionen in Infrastruktur und Ausbildung sollten benachteiligten Regionen helfen, eine staatliche Industrie- und Handelspolitik sollte die nationale Ökonomie gegenüber der übermächtigen Weltmarktkonkurrenz schützen.

Die Polarisationstheorien entstanden innerhalb der Ökonomie als Gegenbewegung gegen die neoklassische Vorstellung, dass der Markt ein gesellschaftliches Gleichgewicht produziert. Gleichzeitig wendet sie sich damit auch gegen das Modell einer liberalen laissez-faire Wirtschaftspolitik. Inspiriert wurden die verschiedenen Richtungen durch die Erfahrungen mit der Weltwirtschaftskrise 1929, in deren Folge klar wurde, dass die extreme Ablehnung von Staatsinterventionen zu politisch bedenklichen Ergebnissen führt (Fischer et al. 2001, Raffer, Singer 2002). Eine “entfesselte” Marktgesellschaft wirke sozial destruktiv (Polanyi 1978: 19).

 down 4.3.1 Neoklassik: Staatsversagen
 down 4.3.2 Das keynesianische Paradigma: Markt- und Staatsversagen
 down 4.3.3 Francois Perroux - Wachstumspole und ökonomische Machtverflechtungen
 down 4.3.4 Gunnar Myrdal: kumulativ-zirkuläre Prozesse durch Machthaber initiieren
 down 4.3.5 Albert Hirschman - Ermächtigung zur Selbstentwicklung
 down 4.3.6 Neue Wachstumstheorie - Externe Effekte produzieren
 down 4.3.7 Zusammenfassung
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