Der Sozialliberalismus ist genauso ein Kind der 1968er Bewegung mit ihren libertären Ansätzen wie er eine Gegenbewegung zum Neoliberalismus darstellt. Anfang der 1990er Jahre kamen im Zentrum neben Clinton und Blair eine Vielzahl linker Regierungen an die Macht. In Lateinamerika versprach der Neue Cepalismus eine „produktive Transformation mit Gleichheit“. Soziale Verantwortung prägte ein Jahrzehnt lang die öffentliche Diskussion. Dabei handelt es sich um den Höhepunkt einer ideologischen Umorientierung des Establishments in den Zentren.
Der Sozialliberalismus baut auf einer bestimmten Dialektik von Struktur und Handlung und der Verbindung von Universellem und Partikularem auf. Die ökonomischen Sachzwänge haben wir gleichsam aus der Vergangenheit geerbt, sie sind die Last der Geschichte, die wir zu tragen haben. Da die Geschichte aber als lineare Höherentwicklung mit der modernen kapitalistischen Zivilisation einen Endpunkt erreicht hat, ist dies auch nicht weiter besorgniserregend. Im Grunde sind die Menschen des 21. Jahrhunderts zu beglückwünschen, keine Generation vor ihr habe so viele Waren zu Verfügung, so viele Möglichkeiten zur persönlichen Entfaltung.
Der Sozialliberalismus führte zu einer historisch beispiellosen Ökonomisierung des Sozialen. Alles wird einer ökonomischen, sei es unternehmerischen und marktlichen Logik, unterworfen. |