Entwicklungsprozesse beruhen immer auf einer Dialektik von Territorium und Verflechtungsraum.
Viele Jahrzehnte lang beschäftigte sich die Stadtforschung mit der Verteilung und der Anordnung von Städten innerhalb einer Nation. Die Primacy-Debatte ist Ausdruck dieses Ansatzes. Primacy beschreibt die Vorherrschaft einer großen Stadt im nationalen Städtesystem, ohne historisch-geographische Unterschiede erklären zu können: Warum São Paulo und nicht die frühere Hauptstadt Rio de Janeiro Brasiliens größte Stadt geworden ist, kann dieser mit mathematischen Methoden arbeitende Ansatz nicht erklären. In den letzten Jahren hat die Stadtforschung die enge Fokusierung auf Primacy überwunden und die im vorangegangenen Abschnitt beschriebene Stadt-Global-Dynamik als Alternative herausgearbeitet. Hierbei zeichnen sich die Studien durch den Versuch aus, aus den langen Wellen kapitalistischer Entwicklung genauso den Aufstieg von Nation und Staat wie den nun unvermeidlichen Niedergang zu postulieren (Taylor 1995). Damit wird die Nation als Territorium aus dem Untersuchungsfeld wegdefiniert. Die These von der Glokalisierung kennt nur noch den globalen Verflechtungsraum mit seinen urbanen Knoten: Die Weltstadt in der Globalisierung, dies wird als relevantes Forschungsfeld verstanden (Knox, Taylor 1995).
Siehe http://www.ila-bonn.de/buchbesprechungen/buecher247.htm |