| Der Global-City-Ansatz ist ein strukturalistischer Ansatz, der Handlungsmöglichkeiten nicht eingehend untersucht. Er beschränkt seine Analyse auf die globale und lokale Ebene und blendet Nation und Region aus, was Hand in Hand geht mit der Ausblendung staatlicher Akteure und politischer Bewegungen. Die theoretische Herausforderung an den Global City-Ansatz besteht aber darin, Ungleichheit nicht nur zu beschreiben, sondern zu verringern. Dies war im nationalstaatszentrierten Entwicklungsmodell möglich, weil der Staat handlungsfähiger Akteur im nationalen Machtnetz war und von den Polarisationstheorien auch als das dargestellt wurde.
Wiewohl Myrdal und seine Zeitgenossen die Wohltätigkeit staatlichen Handelns überschätzten, bleibt der Umstand bestehen, dass ohne eine öffentliche Instanz, die Gesellschaft gestaltet, d.h. ohne einen republikanischen Raum - einer Res publica - kein Ende sozialräumlicher Polarisation möglich ist. Die Jahrzehnte nach dem 2. Weltkrieg konnte der Nationalstaat räumliche und soziale Umverteilungsmaßnahmen (Regionalpolitik bzw. Wohlfahrtsstaat) umsetzen, weil er mit der Macht über Geld und Recht Gestaltungsspielräume hatte. Der Global-City-Ansatz tendiert dazu, die gegenwärtigen Veränderungen als einen linearen Prozess voranschreitender Glokalisierung, von weltweier Vernetzung und einer Dominanz des ökonomischen Verflechtungsraums beschrieben, dann scheint eine Trendwende unrealistisch.
Erst eine dialektische Analyse, die die Existenz linearer und unabänderlicher Entwicklungspfade leugnet, ermöglicht es, Strategien zu denken, wie Ungleichheit reduziert werden kann. Eine dialektische Analyse ermöglicht es, strukturelle Zwänge zwar nicht auszublenden, wohl aber festzuhalten, dass es Menschen sind, die Geschichte und Geographie machen. Räumlich manifestiert sich diese Dialektik als eine Wechselspiel von Territorium undVerflechtungsraum. |