Feldforschung allein, ein simples going native, das in das Leben der Benachteiligten eintaucht, reicht aber nicht. Genauso wichtig sind vermehrte theoretische Anstrengungen, das Schärfen von Kritik und die Produktion alternativer Konzepte notwendig. Theorie und Wirklichkeit stehen nämlich in einem dialektischen Verhältnis, das ein Feld von Wissen und Macht begründet:
“Wenn es eine Wahrheit gibt, dann die, dass die Wahrheit des Sozialen Gegenstand von Kämpfen ist. Weil die soziale Welt, zu einem Teil, Wille und Vorstellung ist; ... Kurzum, die gesellschaftliche Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit vollzieht sich in und durch die unzähligen antagonistischen Konstruktionsakte, die die Akteure in ihren individuellen oder kollektiven, spontanen oder organisierten Kämpfen zur Durchsetzung der Vorstellung ausführen, die ihren Interessen am meisten entspricht” (Bourdieu 1997: 130f.).
“Konkrete Wahrheiten” sind somit keine korrekten Abbildungen der Wirklichkeit, sondern soziale Konstruktionen, die durch das Handeln bestimmter sozialer Gruppen und Diskurse geschichtsmächtig werden. Das Zentrum-Peripherie-Modell lieferte so eine Wahrheit, bis es nach 1980 durch den liberale Globalisierungsdiskurs ersetzt wurde. Der Weltstädte-Ansatz sah sich als Kritik zur neoliberalen Globalisierung, verfestigte aber durch seine Begrifflichkeit die liberale Hegemonie.
Der Global-City-Ansatz und die damit verbundene Glokalisierung einerseits, die Dialektik von Territorium und Verflechtungsraum andererseits produzieren zwei widerstreitende konkrete Wahrheiten. Welche Wahrheit geschichtsmächtig wird, hängt nicht einzig von der Qualität der Theorie, sondern wesentlich von der Stärke politischer Bewegungen ab, die diese Konzepte zu Wirklichkeit werden lässt. |