David Ricardo war der große Theoretiker des Bürgertums am Beginn des 19. Jahrhunderts. In seiner Theorie der Einkommensverteilung beharrt er darauf, dass nur Arbeit, nicht aber Grund und Boden Werte schaffen kann. Damit stellt er sich in einem konkreten Machtkampf gegen die feudalen Interessen der Grundbesitzer. Bodenrente hat seiner Meinung nach in Marktwirtschaften nur eine Funktion, nämlich den Unterschied in der Qualität und der Lage des Bodens zwischen Kapitalien auszugleichen. Die extensive Differentialrente ergibt sich für ihn aus dem Ertragsunterschied verschiedener Bodentypen, die intensive Differentialrente aus dem intensivierten Einsatz von Inputs. Als Theoretiker der Marktwirtschaft kann es für Ricardo daher auf dem jeweils schlechtesten Boden keine Rente geben. Da Grundbesitzer wie Parasiten an der Produktion Anderer mitnaschen, tragen sie zur Wohlfahrt nichts bei. Der Preis des Grundnahrungsmittels Getreide hängt seiner Theorie zu Folge von den Produktionsbedingungen am schlechtesten (marginalen) landwirtschaftlichen Boden ab (dort fällt auch keine Differentialrente an). Eine Ausdehnung der landwirtschaftlichen Bebauungsfläche (etwa durch Freihandel) kann dazu beitragen, dass die Produktionsbedingungen am marginalen Land vergleichsweise besser sind, der Getreidepreis und damit die Kosten zur Reproduktion der Arbeitskraft, daher fällt. Deshalb war Ricardo ein vehementer Befürworter des Freihandels und ein Gegner der von den Grundbesitzern vertretenen Getreideschutzzölle (Ricardo 1994). |