Adam Smith beschäftigt sich in einem langen Kapitel mit Grund und Boden (Smith, 1974<1776>: 247-367). Hierbei kommt seine kritische Sichtweise über die ökonomische Funktion der Bodenrente zutage: "As soon as the land of any country has all become private property, the landlords, like all other men, love to reap where they never sowed, and demand a rent even for its natural produce. The wood of the forests, the grass of the field, and all the natural fruits of the earth, which, when land was in common, cost the labourer only the trouble of gathering them, come, even to him, to have an additional price fixed upon them. He must then pay for the licence to gather them; and he must give up to the landlord a portion of what his labour either collects or produces" (Smith, 1974: 152f.). “Die Theorie von Smith kann daher als Ansatz zu einer Theorie der Ausbeutung im Sinne eines gesellschaftlichen Verhältnisses aufgefasst werden” (Jäger 2002: 35).
Karl Polanyi beschreibt, wie sich die Bodenordnung im Zuge der "Großen Transformation" vom Feudalismus zur Marktwirtschaft grundlegend verändert. Es ist nämlich falsch zu glauben, daß Angebot und Nachfrage nach Grund und Boden natürlich und automatisch wirkten.
"Was wir als Boden bezeichnen, ist ein mit den Lebensumständen des Menschen untrennbar verwobenes Stück Natur. Dieses Stück Natur herauszunehmen und einen Markt daraus zu machen, war das vielleicht absurdeste Unterfangen unserer Vorfahren. Die ökonomische Funktion von Grund und Boden ist bloß eine seiner vielen entscheidenden Funktionen. Er verleiht dem Leben des Menschen Stetigkeit, er ist der Ort seiner Behausung, er ist eine Bedingung für seine physische Sicherheit, er bedeutet Landschaft und Jahreszeiten. Wir könnten uns ebensogut vorstellen, daß der Mensch ohne Hände und Füße geboren würde, als daß er ein Leben ohne Land leben könnte. Und doch war die Trennung des Bodens vom Menschen und die Gestaltung der Gesellschaft in solcher Weise, daß sie die Erfordernisse des Immobilienmarktes befriedigte, ein entscheidender Teil des phantastischen Konzepts einer Marktwirtschaft" (Polanyi, 1978: 243).
Die indigenen Gemeinschaften in Lateinamerika verbindet allesamt die Vorstellung, dass Boden keine Ware ist. Trotzdem hat sich in Lateinamerikas Städten heute der Bodenmarkt weitgehend durchgesetzt. Dies zeigt die Bedeutung von Raum und Macht bei der Analyse städtischer Entwicklungsprozesse. |